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Wer hilft wie bei Herzinsuffizienz? Ihr Wegweiser durch den Versorgungs-Dschungel

Hausarzt, Kardiologe, Klinik – an der medizinischen Versorgung von Menschen mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) sind hierzulande zahlreiche Akteure beteiligt. Da ist es gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten. Hier finden Sie deshalb die wichtigsten Ansprechpartner und Versorgungsmöglichkeiten.

Wer hilft wie bei Herzinsuffizienz? Ihr Wegweiser durch den Versorgungs-Dschungel

Wenn Sie typische Symptome einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) wie Kurzatmigkeit, verringerte Leistungsfähigkeit oder Wassereinlagerungen (Ödeme) bei sich feststellen, sollten Sie zuerst Ihren Hausarzt darauf ansprechen. Er wird sich durch genaues Nachfragen ein Bild von Ihren Beschwerden machen, ergänzt durch

  • eine körperliche Untersuchung, bei der er Ihr Herz und Ihre Lunge abhört und nach Wassereinlagerungen schaut,
  • ein EKG, um Herzrhythmusstörungen auf die Spur zu kommen, und 
  • Laborwerte, die anhand einer Blut- und Urinprobe bestimmt werden. 

Wenn Ihr Hausarzt den Verdacht hat, dass bei Ihnen eine chronische Herzinsuffizienz vorliegt, wird er Sie an einen Kardiologen mit einer eigenen Praxis oder an einen kooperierenden Klinik-Kardiologen überweisen. Dieser kann mit bildgebenden Verfahren wie einer Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie) die Diagnose absichern, die Ursache der Erkrankung feststellen und eine entsprechende Behandlung einleiten. In der Regel wird der Kardiologe Ihnen (auch) Medikamente verschreiben, die das Herz entlasten und die Symptome lindern.

Wenn Sie dagegen plötzlich an starken Beschwerden leiden, kann es sich um eine akute Herzinsuffizienz handeln. Da diese lebensbedrohlich verlaufen kann, sollten Sie umgehend in einem Krankenhaus behandelt werden. 

Ist Ihre Erkrankung schon fortgeschritten, erhalten Sie die beste Versorgung in einem überregionalen Herzinsuffizienz-Zentrum (sogenanntes HFU-Zentrum, von engl. Heart Failure Unit), in dem Ihnen das komplette Spektrum an Behandlungsoptionen zur Verfügung steht.

Neu: das Disease Management Programm (DMP) „Chronische Herzinsuffizienz“

Disease Management Programme (DMP) werden in Deutschland von den gesetzlichen Krankenkassen in Zusammenarbeit mit Ärzten angeboten. Die Programme umfassen z. B. regelmäßige Arzttermine mit Beratungsgesprächen und Untersuchungen sowie die Vermittlung von Wissen zur Erkrankung beispielsweise durch Schulungen. Bislang hatten viele Menschen mit Herzinsuffizienz an dem Modul „Chronische Herzinsuffizienz“ teilgenommen, das zum DMP „Koronare Herzkrankheit (KHK)“ gehörte. Dieses Modul ist jedoch am 31.03.2018 beendet worden und soll schnellstmöglich durch ein eigenständiges DMP „Chronische Herzinsuffizienz“ ersetzt werden – Einschreibungen in dieses neue DMP werden voraussichtlich frühestens ab Sommer 2019 möglich sein. Wenn Sie bislang am Herzinsuffizienz-Modul des DMP KHK teilgenommen haben, bleiben Sie automatisch in diesem DMP, bis das Herzinsuffizienz-DMP startet. Dann können Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt entscheiden, welches DMP für Sie am besten geeignet ist, und bei Bedarf in das neue DMP wechseln. Eine gleichzeitige Teilnahme an beiden DMPs ist dagegen nicht möglich.

Was ist ein DMP?

Ein Disease Management Programm (DMP) ist ein strukturiertes Behandlungsprogramm für Menschen mit chronischen Erkrankungen. Ziel ist es, den Behandlungsablauf und die Qualität der Versorgung zu verbessern, sodass Patienten bei allen Fachleuten und in allen Einrichtungen nahtlos nach dem aktuell verfügbaren Stand des medizinischen Wissens behandelt werden. Derzeit existieren eigene DMP für folgende Erkrankungen:

  • Asthma bronchiale
  • Brustkrebs
  • COPD
  • Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2
  • Koronare Herzkrankheit

Die Teilnahme an einem DMP ist für Patienten (und Ärzte) freiwillig; wenn Sie teilnehmen wollen, sind Sie jedoch zur aktiven Mitarbeit verpflichtet.

Besser versorgt dank Herzinsuffizienz-Schwester/-Pfleger & MFA

Hinter den Begriffen „Herzinsuffizienz-Schwester“ bzw. „Herzinsuffizienz-Pfleger“ steht ein weiteres Versorgungskonzept für Menschen mit Herzinsuffizienz. Dieses Konzept umfasst zertifizierte Krankenschwestern bzw. Krankenpfleger, die auf die Schulung und (telefonische) Überwachung von Herzinsuffizienz-Patienten spezialisiert sind. Da das Konzept relativ neu ist, werden solche Fachkräfte erst nach und nach in den Krankenhäusern vor Ort zur Verfügung stehen. Am Klinikum Nürnberg und dem Universitätsklinikum Würzburg beispielsweise gibt es solche Herzinsuffizienz-Schwestern bzw. -Pfleger aber bereits und ihr Einsatz hat sich dort bewährt.

In den Praxen niedergelassener Ärzte können Ihnen speziell dafür weitergebildete medizinische Fachangestellte (MFA) in Schulungen wichtiges Wissen rund um Ihre Erkrankung vermitteln. Zu den möglichen Themen gehören beispielsweise Selbstüberwachung und  behandlung, Medikamente, Ernährung, körperliche Aktivität, Reisen und Freizeitaktivitäten, Impfungen, Schlaf und psychosoziale Aspekte.

Herzgruppen: gemeinsam statt einsam

Körperliche Aktivität ist ein wesentlicher Baustein der Herzinsuffizienz-Therapie, denn regelmäßiges Training stärkt das Herz und kann so nicht nur die Lebensqualität verbessern, sondern auch die Symptome lindern und den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Allerdings haben viele Betroffene Angst, sich zu überanstrengen und so ihrem Herzen zu schaden. In einer ärztlich betreuten Herzgruppe können Sie andere Menschen mit Herzkrankheiten treffen und gemeinsam unter Aufsicht eines qualifizierten Übungsleiters trainieren. Zudem erhalten Sie in Gesprächen Informationen beispielsweise zu Stressbewältigung und Entspannungsverfahren sowie gesunder Ernährung und Gewichtsreduktion. Außerdem bieten viele Gruppen von den Mitgliedern selbst organisierte Veranstaltungen an wie Besichtigungen, Wanderungen, Theaterbesuche oder Tanzfeste.

Um an einer Herzgruppe teilnehmen zu können, muss Ihr Arzt Ihnen die Teilnahme verordnet haben und diese muss von der Krankenversicherung beziehungsweise der Rentenversicherung vorab genehmigt worden sein.

Sie suchen eine Herzgruppe in Ihrer Nähe?

Dann sind Sie auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen genau richtig. Hier erfahren Sie mehr darüber, für wen eine Herzgruppe in Frage kommt, was dort passiert und wie Sie von einer Herzgruppe profitieren können. Außerdem bietet die DGPR eine Auflistung der Herzgruppen nach Bundesländern.

 

Autorin: Annukka Aho-Ritter, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: September 2018

Quellen:

Gesundheitsinformation.de: Herzschwäche: www.gesundheitsinformation.de/herzschwaeche.2635.de.html

Gesundheitsinformation.de: Was sind Disease-Management-Programme (DMP)? www.gesundheitsinformation.de/was-sind-disease-management-programme-dmp.2265.de.html

Wetzel D. Herzinsuffizienz-Diagnostik in der Hausarztpraxis. Der Allgemeinarzt 2014; 36 (7):44-46.

Pocket-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK): Herzinsuffizienz (Version 2016) https://leitlinien.dgk.org/2017/pocket-leitlinie-herzinsuffizienz-version-2017

Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC): Acute and Chronic Heart Failure 2016: www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines/Acute-and-Chronic-Heart-Failure

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA): Disease-Management-Programm (DMP): www.g-ba.de/institution/themenschwerpunkte/dmp

Techniker Krankenkasse: Häufige Fragen zur Beendigung des Moduls Herzinsuffizienz ab dem 01.04.2018: www.tk.de/techniker/service/gesundheit-und-medizin/behandlungen-und-medizin/herz-kreislauf-erkrankungen/koronare-herzkrankheit/tk-plus-bei-khk/haeufige-fragen-zur-beendigung-des-moduls-herzinsuffizienz-2029980

Ertl G, Angermann CE, Bekeredjian R et al. Aufbau und Organisation von Herzinsuffizienz-Netzwerken (HF-NETs) und Herzinsuffizienz-Einheiten (Heart Failure Units, HFUs) zur Optimierung der Behandlung der akuten und chronischen Herzinsuffizienz. Kardiologe 2016; 10:222-235.

Ärzteblatt.de: Herzschwestern-Modell zahlt sich aus. (veröffentlicht am 02.12.2016) www.aerzteblatt.de/nachrichten/71796/Herzschwestern-Modell-zahlt-sich-aus

Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e. V. www.dgpr.de/home

9-GE-5-8524-02 09-2018

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