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NYHA, Ejektionsfraktion & Co.: Wir sorgen für Klarheit beim Fachkauderwelsch

Im Gespräch mit dem Arzt kann so manches Fremdwort fallen, und auch wer sich bei unabhängigen Quellen näher zu einer Herzerkrankung informieren möchte, stößt oft schnell auf eine Sprachbarriere. Hier finden Sie deshalb die wichtigsten Begriffe im Überblick!

Klarheit beim Fachkauderwelsch

Akut & chronisch

Ist die Rede davon, ob eine Erkrankung akut oder chronisch ist, geht es darum, wie schnell sich eine Krankheit bemerkbar macht. Treten plötzlich (d.h. innerhalb von Minuten bis Stunden bzw. wenigen Tagen) heftige Krankheitszeichen auf, bezeichnet der Arzt die Erkrankung als akut, und es besteht dringender Handlungsbedarf. Ursache einer akuten Herzschwäche (Herzinsuffizienz) können beispielsweise Herzrhythmusstörungen sein, die dazu führen, dass die Pumpleistung des Herzens nicht mehr ausreicht, um den Körper mit Blut zu versorgen. Eine akute Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralinsuffizienz) kann z.B. durch eine von Bakterien verursachte Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) ausgelöst werden.

Das Gegenteil von akuten Ereignissen sind chronische Erkrankungen, die sich im Verlauf von Monaten bis Jahren entwickeln. Typisch hierfür ist, dass das Herz versucht, die dauerhafte Belastung auszugleichen, so dass es beispielsweise als Folge einer chronischen Herzinsuffizienz zu einer Vergrößerung des Herzens kommen kann.

Schema Herzkreislauf

Abb. 1: Das Herz besteht aus zwei Hälften: der linken Herzhälfte (in der Zeichnung rechts) und der rechten Herzhälfte (in der Zeichnung links). Während die linke Herzhälfte sauerstoffreiches Blut (rot) in den Körperkreislauf (unten) pumpt, transportiert die rechte Herzhälfte sauerstoffarmes Blut (blau) zur Lunge (oben).

Linksherzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz und globale Herzinsuffizienz

Aufgabe der linken Herzhälfte ist es, sauerstoffreiches Blut in den Körperkreislauf zu pumpen (Abb. 1). Reicht die Pumpleistung der linken Herzhälfte nicht mehr aus, spricht der Mediziner von einer Linksherzinsuffizienz. Dies bedeutet sowohl, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt werden kann, als auch, dass sich Blut in den Lungenkreislauf zurückstaut. Typische Symptome einer Linksherzinsuffizienz sind eingeschränkte Belastbarkeit, Luftnot und nächtlicher Husten.

Bei einer Rechtsherzinsuffizienz dagegen ist die rechte Herzhälfte betroffen, welche sauerstoffarmes Blut zur Lunge pumpt. Durch die verminderte Pumpleistung staut sich Blut in den Körperkreislauf zurück, was z.B. zu Wassereinlagerungen (Ödemen) an Knöcheln und Unterschenkeln führt. Sind beide Herzhälften von der Pumpschwäche betroffen, bezeichnet man dies als globale Herzinsuffizienz. Erfahren Sie mehr zu den verschiedenen Symptomen von Links- und Rechtsherzinsuffizienz.

Systolische & diastolische Herzinsuffizienz

Die Phase, in der sich der Herzmuskel zusammenzieht und so das Blut vorwärts transportiert, heißt Systole. Bei einer systolischen Herzinsuffizienz (auch kongestive Herzinsuffizienz genannt) ist dieser Ablauf gestört, so dass sich die sogenannte Auswurfleistung (Ejektionsfraktion) vermindert, d.h. der Anteil des Blutes, der während der Systole aus der Kammer gedrückt wird, bezogen auf die maximale Füllmenge der Kammer.

Auf die Systole folgt die Diastole, d.h. die Phase, in welcher der Herzmuskel erschlafft und sich die Herzkammer wieder mit Blut füllt. Bei einer diastolischen Herzinsuffizienz ist zwar die Auswurfleistung unverändert, doch die Herzkammer lässt sich nur schwer wieder füllen, da entweder ihre Dehnbarkeit oder ihre Entspannungsfähigkeit gestört ist. Systolische und diastolische Herzinsuffizienzen lassen sich nicht allein anhand der Symptome unterscheiden, wichtigstes Hilfsmittel des Arztes bei der Diagnose ist der Herzultraschall (Echokardiographie).

Vorwärtsversagen & Rückwärtsversagen

Alle Symptome einer Herzinsuffizienz werden durch die mangelnde Pumpleistung des Herzens verursacht, allerdings lassen sich die Symptome in zwei Kategorien einordnen: Einerseits gibt es Beschwerden, die durch den Rückstau des Blutes hervorgerufen werden (Rückwärtsversagen). Durch den Rückstau steigt der Druck in den Blutgefäßen, so dass Flüssigkeit austreten und sich im umliegenden Gewebe ansammeln kann. Diese als Ödeme bezeichneten Flüssigkeitseinlagerungen können sowohl in der Lunge als auch in den Beinen entstehen.

Andere Beschwerden einer Herzinsuffizienz entstehen durch die mangelnde Versorgung des Körpers mit sauerstoffreichem Blut (Vorwärtsversagen). Hierzu gehören beispielsweise Leistungsminderung, Schwäche, Benommenheit und Schwindel, aber auch kalte Haut und eine bläuliche Verfärbung der Zehen- oder Fingerspitzen deuten auf ein Vorwärtsversagen hin.

Sehnenfadenriss

Abb. 2: Bei einer degenerativen Mitralinsuffizienz ist die Mitralklappe undicht, weil z.B. ein Sehnenfaden gerissen ist.

Degenerative & funktionelle Mitralinsuffizienz

Eine Undichtigkeit der Mitralklappe (Mitralinsuffizienz) kann verschiedene Ursachen haben. Einerseits kann die Klappe selbst oder der Klappenhalteapparat defekt sein, beispielsweise weil einer der Sehnenfäden gerissen ist, mit denen die Segel der Mitralklappe an der Wand der linken Herzkammer befestigt sind. In diesem Fall spricht der Arzt von einer degenerativen Mitralinsuffizienz, auch primäre oder organische Mitralinsuffizienz genannt (Abb. 2).

Bei einer funktionellen Mitralinsuffizienz dagegen ist die Mitralklappe zwar intakt, sie kann aber trotzdem nicht richtig schließen, z.B. weil das Herz aufgrund einer Herzinsuffizienz vergrößert ist und so die Klappe auseinander gezogen wird. Da die Undichtigkeit als Folge einer anderen Erkrankung auftritt, wird dieser Zustand auch als sekundäre Mitralinsuffizienz bezeichnet.

NYHA-Stadium

Beruhend auf der Klassifikation der New York Heart Association (kurz NYHA), lässt sich die Ausprägung einer Herzinsuffizienz oder Mitralinsuffizienz in vier Stadien unterteilen – abhängig davon, wie eingeschränkt die Leistungsfähigkeit ist:

  • NYHA-Stadium I: Herzerkrankung ist bekannt, aber keine Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit
  • NYHA-Stadium II: Körperliche Leistungsfähigkeit ist leicht eingeschränkt, keine Beschwerden in Ruhe, aber bei alltäglicher körperlicher Belastung
  • NYHA-Stadium III: Körperliche Leistungsfähigkeit ist stark eingeschränkt, Beschwerden bereits bei geringer körperlicher Belastung, aber noch nicht in Ruhe
  • NYHA-Stadium IV: Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe, Bettlägerigkeit
Echokardiographische Aufnahme des Herzens,

Abb. 3: Echokardiographische Aufnahme des Herzens, die eine hochgradige Mitralinsuffizienz zeigt. Die Geschwindigkeit, mit der das Blut fließt, ist farblich gekennzeichnet.

Schweregrad einer Mitralinsuffizienz

Häufig wird eine Mitralinsuffizienz in geringgradig, mittelgradig oder hochgradig unterteilt, wobei es verschiedene Möglichkeiten gibt, um diesen Schweregrad zu bestimmen. Als Methode der Wahl gilt der Herzultraschall (Echokardiographie), mit welcher der Arzt dem Herzen genau bei der Arbeit zuschauen kann (Abb. 3). Mit der echokardiographischen Untersuchung lassen sich verschiedene Größen objektiv messen, darunter die Menge an Blut, die bei der Mitralinsuffizienz zurück aus der Herzkammer in den Vorhof fließt (Regurgitationsvolumen), sowie die Größe der Undichtigkeit in der Mitralklappe.

Der Schweregrad einer Mitralinsuffizienz lässt allerdings nicht unbedingt einen Rückschluss auf die Belastung der betroffenen Person zu: Tatsächlich gibt es sogar Menschen, die trotz hochgradiger Mitralinsuffizienz zunächst keine Beschwerden haben. Allerdings besteht bei diesen Personen das Risiko, dass sich die Mitralinsuffizienz verschlimmert und sich Folgeerkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder Lungen-Bluthochdruck entwickeln.

 

Autor: Dr. Annukka Aho-Ritter, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: August 2016

Quellen:

Arasteh K et al. Duale Reihe Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2012.

Herold G et al. Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

Pschyrembel. Klinisches Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2014.

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