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Herzschwäche im fortgeschrittenen Alter – was es zu beachten gilt

Viele Menschen werden im Alter gebrechlich, sie nehmen mehrere Medikamente gegen verschiedene Beschwerden ein oder werden vergesslich. Gerade für Herzpatienten gilt es dann einiges zu beachten, wobei gerade auch Angehörige hier wertvolle Unterstützung leisten können.

Bei der Versorgung von älteren Herzinsuffizienz-Patienten gibt es besondere Herausforderungen: Begleiterkrankungen erfordern möglicherweise eine Reihe von Medikamenten, die zudem nach einem bestimmten Zeitplan eingenommen werden müssen. Doch wie lässt sich verhindern, dass welche vergessen werden? Und wie lassen sich gegebenenfalls trotz körperlicher Einschränkung Herz und Kreislauf in Schwung halten?

Medikamentöse Therapie überprüfen

Mit zunehmendem Alter kann eine Anpassung der bestehenden Medikation erforderlich werden, denn bei älteren Menschen ist oftmals der Stoffwechsel verlangsamt, Wirkstoffe verteilen sich im Körper anders als bei jüngeren. Kommt dann möglicherweise noch eine eingeschränkte Nieren- und/oder Leberfunktion dazu, können sich die Wirkstoffe in zu hohem Maße anreichern und es kann zu Überdosierungen kommen. Daher wird der behandelnde Arzt gut abwägen, welche Medikamente Sie wirklich benötigen oder ob eventuell welche verzichtbar sind, ohne dass sich das unmittelbar auf die Symptome oder die Lebensqualität auswirkt. Bei Neu-Verordnungen wird er in der Regel versuchen, mit einer möglichst geringen Dosis zu beginnen und dann die Wirkung engmaschig zu überwachen. So kann er schnell erkennen, wie Ihr Körper auf die Medikamente reagiert und, falls notwendig, gegensteuern.

Wichtig ist, mit Ihrem Arzt über alle Erkrankungen, Beschwerden und eingenommenen Medikamente zu sprechen – auch solche, die rezeptfrei sind. Am einfachsten ist es, wenn Sie alle Medikamente mit der jeweiligen Dosierung auf eine Liste schreiben und diese bei jedem Arztgespräch dabei haben – sei es beim Hausarzt, beim Kardiologen oder einem anderen Facharzt etwa wegen einer Begleiterkrankung. 

Tipp: Jeden Tag mehrere Tabletten und Kapseln einnehmen, und das zu bestimmten Tages- oder Uhrzeiten – da kann man leicht den Überblick verlieren. Hier sind auch die Angehörigen aufgefordert, ältere Patienten zu unterstützen. Zur einfacheren Handhabung gibt es sogenannte Tages- und Wochendosierboxen sowie Erinnerungssysteme. Fragen Sie Ihren Arzt danach.

Wenn Diuretika zu Inkontinenz führen

Häufig leiden Herz-Patienten unter Wassereinlagerungen in den Beinen, aber auch in der Lunge kann sich Flüssigkeit ansammeln und eine sogenannte Lungenstauung (Lungenödem) hervorrufen. Viele Patienten erhalten daher sogenannte Diuretika, die vermehrt Salz und Wasser über die Nieren aus dem Körper ausschwemmen. Dies kann für ältere Menschen belastend sein, die möglicherweise ohnehin schon häufig – besonders nachts – Wasserlassen müssen und den Harndrang eventuell nicht mehr so gut kontrollieren können. Bei Diuretika-Einnahme kann dann eine manifeste Inkontinenz die Folge sein. Das ist völlig normal und nichts, wofür Sie sich schämen müssten. Um das Risiko einer Inkontinenz zu verringern, wird Ihr Arzt versuchen, mit der geringstmöglichen Diuretika-Dosis auszukommen. Sollten Sie trotzdem von Inkontinenz betroffen sein, ist es wichtig, offen mit ihrem Arzt darüber zu sprechen und nicht auf eigene Faust die Medikamente abzusetzen. 

Tipp: Der Arzt kann Ihnen auf einem Rezept gegebenenfalls entsprechende Hilfsmittel verordnen wie etwa Windeln für Erwachsene, Inkontinenzeinlagen, Inkontinenzvorlagen, Fixierhosen oder Windelhosen. Das Rezept reichen Sie in der Apotheke oder im Sanitätshaus ein.

Fitness so lange es geht erhalten

Den Körper bis ins hohe Alter über moderates Ausdauer- und Muskeltraining möglichst fit zu halten, ist immer eine gute Idee und auch Herzpatienten profitieren von einer Mobilisierung, denn diese verbessert nicht nur die körperliche Fitness, sondern vor allem auch die Lebensqualität. Bei älteren Patienten mit Herzinsuffizienz ist die körperliche und geistige Fitness sehr unterschiedlich. Schätzungen zufolge könnten mehr als 70 Prozent der über 80-jährigen Patienten gebrechlich sein. Doch auch dann gibt es Maßnahmen, den Kreislauf in Schwung zu bekommen und die Muskelkraft zu erhalten – von Herzsportgruppe, Gymnastik im Sitzen beim Seniorensport bis hin zu kleinen Heimtrainern oder einem Tischfahrrad für die Arme daheim – die Möglichkeiten sind vielfältig. 

Tipp: Um die körperliche und geistige Fitness objektiv beurteilen zu können, haben sich verschiedene Tests bewährt, darunter etwa Gehgeschwindigkeitstests, Tests zur Mobilität und auch zur geistigen Leistungsfähigkeit. Es kann nützlich sein, die Fitness regelmäßig überprüfen zu lassen. Sollte Ihnen oder Ihren Angehörigen eine plötzliche, deutliche Verschlechterung auffallen, sprechen Sie bitte Ihren Arzt darauf an, damit er den Ursachen nachgehen kann. Die Herzinsuffizienz kann sich verschlechtert haben, es können Medikamenten-Unverträglichkeiten vorliegen, aber auch veränderte Trink- oder Essgewohnheiten können die Ursache sein.

Impfschutz gegen Grippe und Pneumokokken

Zu Beginn einer Herzinsuffizienz kann der Körper die schlechte Pumpleistung des Herzens noch eine Weile über verschiedene Strategien ausgleichen (Kompensation). Irgendwann aber zeigen sich die Symptome deutlich, Wasseransammlungen (Ödeme) oder Luftnot (Dyspnoe) treten bereits in Ruhe auf – verschlechtern sich die Symptome plötzlich, ist meist eine umgehende Einweisung ins Krankenhaus erforderlich (akute Dekompensation). Oftmals können Lungeninfektionen solche Dekompensationen hervorrufen. Daher ist es für ältere Herzinsuffizienz-Patienten besonders wichtig, sich gegen Grippe-Viren und Pneumokokken impfen zu lassen – bestimmte Bakterienarten, die Lungenentzündungen auslösen können. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt generell allen Erwachsenen ab 60 Jahren eine jährliche Grippe-Impfung sowie eine Pneumokokken-Impfung, die etwa alle sechs Jahre aufzufrischen ist. Die Impfungen verringern das Risiko, überhaupt zu erkranken oder schwere Komplikationen zu erleiden. Gerade bei Personen mit chronischen Erkrankungen wie etwa einer Herz-Insuffizienz sind beide Impfungen besonders wichtig.

Schulungen für Betroffene und Angehörig

Um mit der Erkrankung möglichst gut zu leben, die Lebensqualität zu erhalten und umgekehrt aber auch Warnzeichen einer Dekompensation, einer Arzneimittelunverträglichkeit oder auch einer generellen Verschlechterung des Gesundheitszustands zu erkennen, kann es für Betroffene und auch Angehörige hilfreich sein, sich rund um die Besonderheiten einer Herzinsuffizienz schulen zu lassen. Angebote in Ihrer Nähe erfragen Sie über Ihre Krankenkasse oder das Kompetenznetz Herzinsuffizienz.

Tipps und Hilfsmittel

  • Regelmäßige Bewegung hält Körper und Geist fit. Es gibt spezielle Angebote für Senioren oder auch Heimtrainer für gebrechliche Menschen
  • Gehhilfen wie Stock oder Rollator helfen, mobil zu bleiben
  • Vermeiden Sie mögliche Sturzquellen wie dicke Teppiche, herumliegende Gegenstände, rutschige Flächen und schlechte Beleuchtung
  • Listen Sie alle Medikamente mit der jeweiligen Dosierung auf und nehmen diese zu jedem Arztgespräch mit
  • Sortieren Sie Medikamente in Dosierboxen
  • Lassen Sie sich jedes Jahr gegen Grippe impfen, alle sechs Jahre gegen Pneumokokken
  • Hilfsmittel bei Inkontinenz erhalten Sie auf Rezept
  • Eine medizinische Schulung hilft Ihnen und Ihren Angehörigen, mit der Erkrankung besser zurechtzukommen


 

Autorin: Andrea Böttcher, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: Februar 2019

Quellen:

Kompetenznetz Herzinsuffizienz: www.knhi.de

impfen-info.de, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) Grippeimpfung bei Erwachsenen:
www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-erwachsene/grippe-influenza (Abruf Februar 2019)

impfen-info.de, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) Pneumokokken-Impfung bei Erwachsenen:
https://www.impfen-info.de/impfempfehlungen/fuer-erwachsene/pneumokokken (Abruf Februar 2019)

Chronische Herzinsuffizienz im Alter:
www.rosenfluh.ch/media/arsmedici/2014/05/Chronische_Herzinsuffizienz_im_Alter.pdf (Abruf Februar 2019)

Präsentation: Aufgabenbereiche von Palliative Care bei fortgeschrittener und terminaler Herzinsuffizienz, Stefanie Beckmann, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Studentin Pflege- und Gesundheitsmanagement FH-Münster: 
www.dgpalliativmedizin.de/images/stories/Beckmann_Aufgaben%20von%20PC%20bei%20HI_2009.pdf (Abruf Februar 2019)

9-GE-5-9126-02 03-2019

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