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Herzinsuffizienz-Typen: Wer braucht welche Behandlung?

Die Diagnose Herzinsuffizienz (Herzschwäche) hat viele Gesichter. Zudem weiß man mittlerweile, dass nicht jede Form der Herzschwäche auf die gleiche Art behandelt werden kann. Lesen Sie hier, welche Betroffenen von den verschiedenen Behandlungsoptionen profitieren können.

Herzinsuffizienz-Typen: Wer braucht welche Behandlung?

Wenn das Herz nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpen kann, dann liegt eine Herzinsuffizienz vor. Eine solche Herzschwäche kann verschiedene Ursachen haben und muss entsprechend unterschiedlich behandelt werden.

Die Herzinsuffizienz wird nach unterschiedlichen Systemen klassifiziert. Die Einteilung nach der New York Heart Association (NYHA) in vier Klassen bzw. Stadien legt den Fokus auf die körperliche Leistungsfähigkeit und die Schwere der Symptome, an denen die Betroffenen leiden.
Eine weitere Klassifizierung hat die Pumpleistung des Herzens im Fokus. Hier wird gemessen, wie viel Blut in Bezug auf das Gesamtvolumen einer Herzkammer pro Kontraktion von der entsprechenden Herzkammer in den Körper gepumpt wird. Die von der Herzkammer ausgeworfene Teilmenge des Blutes wird Fraktion genannt, daher bezeichnen Mediziner die während eines Herzschlags gepumpte Blutmenge als Ejektionsfraktion bzw. Auswurffraktion.
Hier wird in drei Kategorien eingeteilt:

  • Patienten mit eingeschränkter Pumpkraft des Herzens (systolische Herzinsuffizienz, im Englischen „Heart Failure with reduced Ejection Fraction“ [HFrEF] genannt).
  • Patienten mit erhaltener Pumpkraft des Herzens (diastolische Herzinsuffizienz, im Englischen „Heart Failure with preserved Ejection Fraction“ [HFpEF] genannt)
  • Patienten mit gering eingeschränkter Pumpkraft des Herzens (im Englischen „Heart Failure with mid-range Ejection Fraction“ [HRmrEF] genannt)

Abhängig von den Symptomen der Herzschwäche und der Auswurfleistung des Herzens sind in der Regel unterschiedliche Medikamente sinnvoll. Für Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz (HFrEF) liegt die meiste Erfahrung in der Behandlung vor.1

Behandlung einer systolischen Herzinsuffizienz (HFrEF)

Für die Patienten mit dieser Art der Herzschwäche können Ärzte auf Medikamente auf mehrere Substanzklassen zurückgreifen, die sich symptomlindernd und positiv auf die Lebensdauer auswirken können: ACE-Hemmer, (falls Sie diese nicht vertragen: AT1-Rezeptorantagonisten, ARB), Betablocker, Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten (MRA) sowie Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI).2-6
Zur Basistherapie der systolischen Herzinsuffizienz gehören in der Regel ACE-Hemmer und Beta-Blocker. Diese beiden Wirkstoffe werden in der Regel in Kombination miteinander verabreicht. Beta-Blocker lassen das Herz weniger häufig schlagen. Wenn Sie von einer Herzinsuffizienz betroffen sind, werden Sie wahrscheinlich bald spüren, dass sich der Puls verlangsamt und Sie einfache Tätigkeiten nicht mehr außer Atem bringen, weil das Herz entlastet wird. ACE-Hemmer tragen ebenfalls zur Entlastung des Herzens bei. Zudem kann Ihr Arzt Ihnen Diuretika verschreiben; diese schwemmen überschüssiges Wasser aus dem Gewebe und den Organen und tragen so auch dazu bei, die Beschwerden zu lindern.7

HFpEF: Pumpleistung besser als die Prognose

Es gibt aber auch Patienten, bei denen die Pumpleistung des Herzens erhalten bleibt. Dies ist bei etwa 50 % der Patienten der Fall, die von einer Herzinsuffizienz betroffen sind. Für diese Form der Herzinsuffizienz steht zurzeit keine gut untersuchte Behandlung zur Verfügung, die nachweislich lebensverlängernd wirkt. Mittels Diuretika können die Symptome jedoch gelindert werden.8 Der Nutzen von ACE-Hemmern, Betablockern, ARB, MRA und ARNI ist bei dieser Art der Herzschwäche noch unklar.3

Ein neuer Typ der Herzinsuffizienz: HFmrEF

Die Herzschwäche mit einer gering eingeschränkten Pumpleistung (HFmrEF) des Herzens ist eine Form der Herzinsuffizienz, die erst im Jahr 2016 als eigene Kategorie eingeführt wurde. Dementsprechend liegen hier wenig Erfahrungswerte darüber vor, wie diese Form der Herzschwäche am besten behandelt werden sollte. Allerdings wird von zahlreichen Experten und Fachgesellschaften empfohlen, hier vorerst genauso zu behandeln wie bei einer systolischen Herzinsuffizienz.9



Diagnose: Herzinsuffizienz durch Grunderkrankung?

Um eine Herzschwäche genau diagnostizieren zu können, müssen verschiedene Verfahren angewendet werden, die sich ergänzen. Dabei spielt der Herzultraschall (Echokardiographie) eine wichtige Rolle. So kann der Arzt beurteilen, wie gut das Blut durch die Vorhöfe und Kammern des Herzens gepumpt wird. Daneben werden auch die Herzströme mittels EKG gemessen und die Blutwerte bestimmt.6 Doch abgesehen davon, dass Sie sich als Patient eine genaue Diagnose wünschen, ist eine sorgfältige Ursachenforschung auch wichtig, um den Grund für die Herzinsuffizienz zu finden. Eine Herzschwäche entwickelt sich nämlich häufig über einen langen Zeitraum hinweg und aufgrund von verschiedenen Risikofaktoren. So kann es sein, dass zum Beispiel ein bislang unentdeckter Bluthochdruck (Hypertonus) oder Diabetes mellitus der Grund sind. Ist dies bei Ihnen der Fall, dann ist eine konsequente Behandlung der Grunderkrankung wichtig, denn wenn die Grunderkrankung „im Griff“ ist, können sich auch die Herzinsuffizienz-Symptome verbessern. Es sollten aber auch andere Herzerkrankungen abgeklärt werden, wie z. B. eine Mitralklappenstenose oder weitere Herzklappenerkrankungen.

Was können Sie tun?

Sie können auch unabhängig von den Medikamenten, die Sie verordnet bekommen, aktiv etwas gegen die Beschwerden tun: Eine gesunde Lebensführung und regelmäßige Bewegung tragen dazu bei, belastbarer zu werden. Hilfreich kann es auch sein, das Gewicht zu reduzieren, um die Symptome weiter zu lindern.9 Es gibt für Patienten mit Herzschwäche speziell abgestimmte Ausdauer- und Muskeltrainings, die Ihre Lebensqualität deutlich fördern können. Eine Herzsportgruppe in Ihrer Nähe kann Ihnen den Einstieg in die Bewegung erleichtern – die Teilnahme kann Ihnen meist sogar Ihr Arzt per Rezept verordnen. 7

 

Autorin: Anna Besson, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: September 2019

Quellen:

1. Ponikowski P, Voors AA, Anker SD et al. 2016 ESC Guidelines for the Diagnosis and Treatment of Acute and Chronic Heart Failure. Eur Heart J. 2016; 37(27):2129-2200,
academic.oup.com/eurheartj/article/37/27/2129/1748921

2. Ärztezeitung.at,
www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/herzinsuffizienz/article/939450/herzinsuffizienz-beste-therapie.html, (zuletzt abgerufen am 18.09.2019)

3. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG),
www.gesundheitsinformation.de/sacubitril-valsartan-entresto-bei-herzinsuffizienz.2022.de.htm, (zuletzt abgerufen am 20.09.2019)

4. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG),
www.gesundheitsinformation.de/medikamente-zur-langfristigen-behandlung-der.2170.de.html?part=behandlung-mg#d6ee, (zuletzt abgerufen am 20.09.2019)

5. DocCheck Flexicon,
flexikon.doccheck.com/de/Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor?utm_source=www.doccheck.flexikon&utm_medium=web&utm_campaign=DC%2BSearch, (zuletzt abgerufen am 20.09.2019)

6. DocCheck Flexicon,
flexikon.doccheck.com/de/Aldosteron-Antagonist, (zuletzt abgerufen am 20.09.2019)

7. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG),
www.gesundheitsinformation.de/herzschwaeche.2635.de.html#behandlung, (zuletzt abgerufen am 20.09.2019)

8. Ärztezeitung.de,
www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/herzinsuffizienz/article/650533/diastolische-herzinsuffizienz-therapie-schwachen-fuessen.html, (zuletzt abgerufen am 23.09.2019)

9. Ärztezeitung.at,
www.aerztezeitung.at/archiv/oeaez-2014/oeaez-6-25032014/diastolische-herzinsuffizienz-diastolische-funktionsstoerung-transthorakale-echokardiographie.html, (zuletzt abgerufen am 18.09.2019)

9-GE-5-10359-02 10-2019

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