Kardiale Dekompensation: Ursachen, Symptome und Behandlung der Herzinsuffizienz
Eine kardiale Dekompensation ist der medizinische Fachbegriff für eine das Herz betreffende Entgleisung. Es handelt sich dabei um die Folge einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz): Die Herzfunktion hat sich zu diesem Zeitpunkt so weit verschlechtert, dass der Körper die verringerte Pumpkraft nicht mehr ausgleichen (kompensieren) kann. Ärztinnen und Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer dekompensierten Herzinsuffizienz. Oft gerät bei einer Herzinsuffizienz auch die Lunge in Mitleidenschaft und kann ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllen. Dann ist von einer kardiopulmonalen Dekompensation die Rede, also einer das Herz und die Lunge betreffenden Entgleisung.
Symptome der kardialen Dekompensation

Unter einer kardialen Dekompensation verstehen Ärztinnen und Ärzte eine Verschlechterung der Herzfunktion. Bei einer chronischen Herzinsuffizienz verläuft diese Verschlechterung oft schleichend: Der Körper ist zunächst noch in der Lage, die mangelnde Pumpkraft mit Gegenmaßnahmen wie einem erhöhten Blutdruck oder einer erhöhten Herzfrequenz auszugleichen (kompensierte Herzinsuffizienz). Bei weit fortgeschrittener Erkrankung ist das Herz jedoch so stark überlastet, dass der Organismus nicht mehr wirksam gegensteuern kann.
Typisch für eine Herzinsuffizienz sind zudem Episoden, bei denen sich die Herzfunktion so rasch verschlechtert, dass eine Behandlung im Krankenhaus notwendig ist. In der Medizin wird eine solche Episode akute kardiale Dekompensation genannt.
Wichtige Symptome einer dekompensierten Herzinsuffizienz (ICD-10: I50.9) sind:
- Atemnot und Kurzatmigkeit
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit
- Verringerte Leistungsfähigkeit
- Schwindel
- Husten und rasselnde Atemgeräusche (Herzasthma)
- Wassereinlagerungen, zum Beispiel in der Lunge (Lungenödem) oder in den Beinen
- Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen
- Nächtlicher Harndrang
- Herzrhythmusstörungen
Die Symptome einer kardialen Dekompensation sind grundsätzlich die gleichen wie bei einer kompensierten Herzschwäche. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass sie bereits im Ruhezustand auftreten, und nicht erst bei stärkerer körperlicher Belastung. Obwohl eine kardiale Dekompensation bereits früh im Krankheitsverlauf auftreten kann, nehmen Häufigkeit und Schwere der Symptome im Endstadium der Herzinsuffizienz zu.
Gut zu wissen:
Atemnot, Lungenödeme und Herzasthma treten vor allem bei einer Linksherzinsuffizienz auf: Da die linke Herzkammer das Blut nicht mehr wirksam in den Körper pumpen kann, staut es sich in den linken Vorhof bis in die Lunge zurück (kardiopulmonale Stauung) und verursacht die charakteristischen Beschwerden. Bei einer Rechtsherzschwäche stehen Wassereinlagerungen in den Beinen, Gewichtszunahme und nächtlicher Harndrang im Vordergrund.
Ursachen der kardialen Dekompensation
Eine kardiale Dekompensation ist die natürliche Folge einer chronischen Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Zu den Ursachen einer Herzinsuffizienz zählen zum Beispiel:
- koronare Herzkrankheit
- vorausgegangener Herzinfarkt
- Bluthochdruck und hypertensive Herzerkrankung (Verdickung der Herzwände, insbesondere der linken Herzkammer, infolge einer dauerhaft erhöhten Druckbelastung)
- Herzklappenerkrankungen wie Aortenstenose oder Mitralklappeninsuffizienz
- Herzrhythmusstörungen
- Erkrankungen und Infektionen des Herzmuskels, z. B. eine Herzmuskelentzündung
Bei einer akuten kardialen Dekompensation verstärken sich die Symptome sehr rasch und massiv. Häufige Ursachen sind:
- akute Infekte
- andere Herzerkrankungen
- Niereninsuffizienz
- Blutarmut
- Fehler bei der Einnahme der verordneten Herzmedikamente
Darüber hinaus unterscheiden Ärztinnen und Ärzte zwei weitere Formen der Dekompensation: Die globale kardiale Dekompensation ist die Folge einer globalen Herzinsuffizienz. Dabei sind beide Herzhälften geschädigt, Betroffene haben also gleichzeitig eine Links- und eine Rechtsherzschwäche.
Bei Menschen, die zeitgleich an einer Herz- und einer Nierenschwäche erkrankt sind (kardiorenales Syndrom), kann es zu einer hydropischen Dekompensation kommen. Dabei lagert der Organismus sehr große Flüssigkeitsmengen im Gewebe ein, insbesondere in der Lunge und den Gliedmaßen. Es kommt zu einer Flüssigkeitsüberladung, die häufig im Krankenhaus behandelt werden muss.
Behandlung der kardialen Dekompensation
Eine Herzinsuffizienz ist bislang nicht heilbar und kann die Lebenszeit deutlich verkürzen. Wie hoch die verbleibende Lebenserwartung bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Allerdings erholt sich die Herzfunktion nach einer Dekompensation in der Regel nicht mehr vollständig, und mit jeder Dekompensation steigt die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Ereignisses. Eine wirksame Behandlung ist deshalb sehr wichtig, um wiederkehrende Dekompensationen zu verhindern.
Dabei kommen in erster Linie Medikamente zum Einsatz. Manchmal ist zusätzlich eine Operation oder ein katheterbasierter Eingriff notwendig. Außerdem spielen Anpassungen im Lebensstil eine wichtige Rolle.
Unterstützende Maßnahmen wie Kompressionsstrümpfe oder eine Lymphdrainage sind bei einer Herzinsuffizienz nicht immer ratsam, da die aus dem Gewebe abgeleitete Flüssigkeit das geschwächte Herz zusätzlich belasten kann. Das gilt insbesondere im fortgeschrittenen Stadium und bei einer kardialen Dekompensation. Eine Kompressionstherapie sollte deshalb nur unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle erfolgen.
Welche medikamentösen Therapien gibt es?
Bei der medikamentösen Therapie der Herzinsuffizienz und der kardialen Dekompensation geht es vor allem darum:
- das Herz zu entlasten,
- das Voranschreiten der Erkrankung zu verhindern und
- belastende Symptome wie Atemnot und verminderte Leistungsfähigkeit zu lindern.
Dazu können folgende Wirkstoffe zum Einsatz kommen:
- Wassertabletten (Diuretika), die die Wasserausscheidung fördern
- Medikamente, die den Blutdruck senken (z. B. ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren [ARNI])
- Medikamente, die die Herzfrequenz senken (z. B. Betablocker)
- Medikamente, die den Wasser- und Elektrolythaushalt regulieren (z. B. Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten)
- Medikamente, die auf andere Art das Herz entlasten (z. B. SGLT2-Hemmer)
Welche Herztabletten das beste Mittel zur Herzstärkung sind, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Wahl der Medikamente hängt von verschiedenen Faktoren wie der Schwere der Herzinsuffizienz, Begleiterkrankungen und der individuellen Verträglichkeit ab.
Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Behandlung?
Menschen mit einer Herzinsuffizienz müssen keine besondere Diät einhalten. Allerdings kann eine ausgewogene Ernährung die Herzgesundheit unterstützen. Grundsätzlich gelten dabei dieselben Empfehlungen wie für gesunde Menschen:
- viel frisches Gemüse und Obst
- viele Ballaststoffe (z. B. Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte)
- wenig tierisches Fett (z. B. Butter, Schmalz, Sahne), stattdessen mehr pflanzliche, kaltgepresste Öle
- wenig rotes Fleisch, stattdessen mehr Fisch und Geflügel
- wenig Zucker
Diese Ernährungsform wird häufig als Mittelmeer-Diät bezeichnet, da die Zutaten typisch für die Mittelmeerküche sind.
Außerdem sollten herzkranke Menschen besonders auf eine salzarme Ernährung achten, da salzhaltige Lebensmittel den Blutdruck erhöhen. Besonders viel Salz verbirgt sich in geräucherten oder gepökelten Fleischprodukten, Fast Food und Snacks sowie Fertigprodukten. Auch Alkohol und koffeinhaltige Getränke haben eine blutdrucksteigernde Wirkung. Während es sinnvoll ist, Alkohol so weit wie möglich zu meiden oder ihn nur selten und in geringen Mengen zu trinken, gilt bei Kaffee ein moderater Konsum von ein bis drei Tassen pro Tag als unbedenklich.
Viele Betroffene fragen sich, welcher Tee gut für das Herz ist. Tatsächlich gilt grüner Tee als besonders herzfreundlich. Die darin enthaltenen Pflanzenstoffe scheinen Forschungsergebnissen zufolge sogar einen schützenden Einfluss auf Herz und Kreislauf zu haben. Für schwarzen Tee wurde eine solche Wirkung hingegen nicht nachgewiesen.
Welche operativen Maßnahmen können helfen?
Schreitet die Herzschwäche trotz medikamentöser Maßnahmen und einer gesunden Lebensweise voran, kann ein katheterbasiertes Verfahren oder eine Operation am Herzen sinnvoll sein. Welcher Eingriff geeignet ist, hängt unter anderem von der Ursache der Herzinsuffizienz ab. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen:
- der Einsatz eines Herzschrittmachers bei Herzrhythmusstörungen
- eine Bypass-Operation bei Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen, bei der das Blut mithilfe von körpereigenen Gefäßen oder Gefäßprothesen umgeleitet wird
- der Einsatz von Stents, also kleinen, röhrenförmigen Gefäßstützen, die verengte Herzkranzgefäße offenhalten
- ein Herzklappenersatz oder eine Herzklappenreparatur bei Menschen mit Herzklappenerkrankungen
Bei schweren Verläufen kann eine Herztransplantation notwendig werden. Das ist eine sehr große und schwerwiegende Herzoperation, die nur zum Einsatz kommt, wenn alle anderen Maßnahmen vollständig ausgeschöpft sind.
Komplikationen und Risiken bei kardialer Dekompensation
Bei einer akut dekompensierten Herzinsuffizienz kann das Herz den Körper nicht mehr ausreichend mit Blut versorgen. Zu den zum Teil lebensbedrohlichen Komplikationen zählen:
- Wasseransammlungen in der Lunge (Lungenödem)
- starker Blutdruckabfall mit Kreislaufversagen (kardiogener Schock)
- Thrombose, Lungenembolie
- plötzlicher Herztod
Außerdem kann jede Dekompensation das Herz selbst nachhaltig schädigen und dadurch die Entwicklung einer terminalen Herzinsuffizienz, also einer Herzschwäche im Endstadium, begünstigen.
Prävention der kardialen Dekompensation
Ziel bei einer bestehenden Herzinsuffizienz ist es, einen kardiopulmonal kompensierten Zustand aufrecht zu erhalten. Das bedeutet, dass der Körper die gestörte Funktion von Herz und Lunge so weit ausgleichen kann, dass Betroffene keine oder nur geringe Beschwerden haben.
Dafür ist es wichtig, eine Herzinsuffizienz rasch zu erkennen und frühzeitig eine wirksame Behandlung einzuleiten. Eine kardiale Dekompensation möglichst lange hinauszuzögern, erfordert vor allem:
- eine konsequente medikamentöse Therapie der Grunderkrankung (beispielsweise Bluthochdruck),
- eine ausgewogene Ernährung,
- regelmäßige Bewegung,
- den Verzicht auf Alkohol und Rauchen.
Außerdem sollten Betroffene ihren Körper sehr genau beobachten: Gerade eine akute Dekompensation, bei der sich der Zustand sehr plötzlich und massiv verändert, kündigt sich häufig durch bestimmte Warnzeichen an. Dazu zählen alle Herzinsuffizienz-Beschwerden, die entweder neu auftreten oder sich in kurzer Zeit wahrnehmbar verschlechtern.


Fazit
Eine schleichende kardiale Dekompensation ist die natürliche Folge einer chronischen Herzinsuffizienz, sie kann jedoch auch akut auftreten und zu einer plötzlichen und raschen Verschlechterung der Herzfunktion führen. Da jede Dekompensation das Herz erheblich schädigen und zu teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann, ist es wichtig, eine Herzinsuffizienz und deren Ursachen konsequent zu behandeln.
FAQ
Bei einer chronischen Herzinsuffizienz verschlechtert sich die Pumpkraft des Herzens zunehmend. Zu Beginn verursacht die Erkrankung keine Beschwerden, da es dem Körper gelingt, die nachlassende Leistungsfähigkeit des Herzmuskels auszugleichen. Schreitet die Erkrankung voran, kommt es zu den typischen Symptomen einer Herzinsuffizienz – zunächst nur bei starker körperlicher Belastung, später auch bei leichter Aktivität oder im Ruhezustand. Diese Entwicklung bezeichnen Ärztinnen und Ärzte als kardiale Dekompensation.
Die Lebenserwartung bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz wird von verschiedenen Faktoren wie der Schwere der Erkrankung und bestehenden Begleiterkrankungen beeinflusst. Im Schnitt versterben mehr als 50 Prozent der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose.
Menschen mit einer dekompensierten Herzinsuffizienz haben prinzipiell die gleichen Symptome wie Menschen mit einer kompensierten Herzinsuffizienz, insbesondere Atemnot, Kurzatmigkeit, Husten, Erschöpfung und verringerte Belastbarkeit. Der Unterschied besteht darin, dass alle belastungsabhängigen Beschwerden bei einer dekompensierten Herzinsuffizienz bereits im Ruhezustand und nicht ausschließlich bei körperlicher Belastung auftreten.
Autorin: Brit Neuhaus
Beschreibung: Dr. Brit Neuhaus ist Diplom-Biologin und hat während ihrer Tätigkeit in der biomedizinischen Grundlagenforschung den Spaß am Schreiben für sich entdeckt. Bereits seit zehn Jahren macht sie nun als Medizinredakteurin komplexe medizinische und biologische Sachverhalte für interessierte Menschen zugänglich.
- Quellen
- McDonagh T et al.: 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J 2021; 42(36): 3599–3726
- Nationale Versorgungsleitlinie Chronische Herzinsuffizienz, AWMF-Register-Nr.: nvl-006, unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/nvl-006
- Patientenblatt der Nationalen Versorgungsleitlinie Chronische Herzinsuffizienz: Muss ich auf meine Ernährung achten?, unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/Nationale_Versorgungs-Leitlinie/nvl-006pi5_S3_Chronische_Herzinsuffizienz_2019-10.pdf
- SpringerMedizin (e.Medpedia): Akute Herzinsuffizienz und kardiale Dekompensation, unter: https://www.springermedizin.de/emedpedia/detail/klinische-kardiologie/akute-herzinsuffizienz-und-kardiale-dekompensation?epediaDoi=10.1007%2F978-3-662-62939-0_21
- AMBOSS: Herzinsuffizienz, unter: https://next.amboss.com/de/article/rS0faf
- Herzmedizin.de: Was ist eine Herzinsuffizienz?, unter: https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/herzkrankheiten/herzinsuffizienz/herzinsuffizienz-ursachen-symptome-therapie.html
- Herzmedizin.de: Hypertensive Herzkrankheit: Ursachen, Symptome und Behandlung, unter: https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/herzkrankheiten/hypertensive-herzkrankheit.html
- Herzmedizin.de: Herzinsuffizienz: Wie die Behandlung abläuft und was Sie selbst tun können, unter: https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/herzkrankheiten/herzinsuffizienz/herzinsuffizienz-behandlung-therapie.html
- Deutsche Nierenstiftung: Herz und Nieren, unter: https://www.nierenstiftung.de/wp-content/uploads/2023/03/Broschuere-Herz-final-4.pdf
- Deutsche Herzstiftung: So schützt grüner Tee Ihr Herz, unter: https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/ernaehrung/gruener-tee
- Uniklinikum Würzburg, Deutsches Herzzentrum für Herzinsuffizienz (DZHI): Ernährung, unter: https://www.ukw.de/behandlungszentren/dzhi/herzgesund-leben/ernaehrung/
- SpringerMedizin: Wie viel Kaffee ist gut fürs Herz?, unter: https://www.springermedizin.de/kardiologie/wie-viel-kaffee-ist-gut-fuers-herz-/24654720
- Hasenfuß G et al. Systolische Herzinsuffizienz. In: Lehnert H et al. SpringerReference Innere Medizin. Springer Reference Medizin. Springer, Berlin, Heidelberg, unter: https://link.springer.com/rwe/10.1007/978-3-642-54676-1_481-1
9-GE-5-16641-02 09-2025
