Herzklappenfehler: Behandlung

Bei leichten Herzklappenfehlern, die keine Symptome verursachen, beobachten Fachleute meist zunächst den Verlauf. Rufen Herzklappenfehler jedoch Beschwerden hervor, ist in der Regel eine Behandlung notwendig. Medikamente können Klappenfehler nicht beheben, helfen aber gegen Beschwerden und entlasten das Herz. Zur Behandlung von Herzklappenfehlern stehen verschiedene Optionen zu Verfügung – welche sich davon am besten eignet, hängt von vielen Faktoren ab, etwa Art und Schwere des Klappenfehlers, Alter und Gesundheitszustand der betreffenden Person sowie bestehende Begleiterkrankungen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Leichte Herzklappenfehler, die keine Beschwerden verursachen, bedürfen oft noch keiner Behandlung.
  • Bei Symptomen durch eine defekte Herzklappe kommen Medikamente zum Einsatz.
  • Erkrankte Herzklappen lassen sich entweder reparieren (Klappenrekonstruktion) oder ersetzen (Herzklappenersatz).
  • Die Behandlung kann durch eine offene Herz-OP oder minimalinvasive Verfahren erfolgen.

Welche Behandlungsmethoden gibt es bei einem Herzklappenfehler?

Bei sehr leichten, symptomlosen Herzklappenfehlern warten Ärzt:innen meist ab und empfehlen regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Bestehen hingegen Beschwerden, ist eine Behandlung wichtig, um weiteren Schaden vom Herzen abzuwenden. Grundsätzlich lassen sich folgende Therapieansätze unterscheiden:

  • Medikamente
  • Herzklappenrekonstruktion, bei der die eigene Herzklappe erhalten bleibt und repariert wird
  • Mechanischer oder biologischer Herzklappenersatz durch Herzklappenprothesen

Um Herzklappen zu rekonstruieren oder zu ersetzen, ist ein medizinischer Eingriff notwendig. Folgende Verfahren sind möglich:

  • Offene Herz-Operation
  • Minimalinvasiver chirurgischer Eingriff („Schlüsselloch-Technik“) über einen kleinen Schnitt am Brustkorb
  • Minimalinvasiver katheterbasierter Eingriff, meist über ein Blutgefäß in der Leiste

Es gibt abhängig vom Einzelfall verschiedene Argumente für und gegen jedes Verfahren. Ein Team aus Fachleuten verschiedener Disziplinen wie der Kardiologie, Chirurgie, Anästhesiologie und Inneren Medizin – das Herzteam – wägt gemeinsam mit der betroffenen Person ab, welche Behandlung den größten Erfolg bei vertretbaren Risiken verspricht.

Konservative Herzklappenfehler-Behandlung: Medikamente und Therapieansätze

Eine konservative Therapie von Herzklappenfehlern, das heißt eine Behandlung ohne Operation oder Katheter-Eingriff, kommt meist nur bei sehr leichten Defekten infrage, die keine Beschwerden hervorrufen. Es erfolgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um eine Verschlechterung des Klappenfehlers frühzeitig zu erkennen.

In Einzelfällen erfolgt eine ausschließlich konservative Behandlung mit Medikamenten auch dann, wenn Symptome bestehen: Zum Beispiel bei Hochbetagten mit schlechtem Gesundheitszustand, für die ein Eingriff zu riskant wäre oder keine Vorteile mehr bietet.

Medikamente können Herzklappenfehler nicht beheben. Sie spielen aber eine wichtige Rolle, um bestehende Beschwerden zu verbessern und um das Herz zu entlasten. Außerdem sind in einigen Fällen nach einem Ersatz einer Herzklappe begleitende Arzneimittel nötig, die in der Regel lebenslang eingenommen werden müssen.

Folgende Medikamente können zum Einsatz kommen:

  • Entwässernde Mittel (Diuretika): Sie wirken Flüssigkeitseinlagerungen, die infolge einer Herzschwäche entstehen, entgegen. Dies entlastet das Herz und bessert meist Symptome wie Ödeme in den Beinen, Reizhusten oder Atemnot.
  • Blutdrucksenkende Medikamente (ACE-Hemmer und AT-1-Blocker): Sinkt der Blutdruck, entlastet dies das Herz, da es nicht mehr gegen einen erhöhten Druck ankämpfen muss.
  • Mittel gegen Herzrhythmusstörungen (Betablocker oder Kalziumantagonisten): In manchen Fällen führen Herzklappenfehler auch zu Störungen des Herzrhythmus wie Vorhofflimmern. Sogenannte Antiarrhythmika können den Herzrhythmus stabilisieren.
  • Gerinnungshemmende Mittel („Blutverdünner“): Als Begleittherapie bei mechanischem Herzklappenersatz oder bei Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern senken diese Mittel das Risiko von Blutgerinnseln und wirken damit der Gefahr eines Schlaganfalls entgegen.

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Chirurgische Optionen zur Behandlung von Herzklappenfehlern

In manchen Fällen entscheidet sich das Herzteam für eine Operation am offenen Herzen, um eine Herzklappe zu rekonstruieren oder zu ersetzen. Unter Vollnarkose wird der Brustkorb im Bereich des Brustbeins eröffnet, sodass das OP-Team direkte Sicht auf das Herz hat. Um den Herzklappenfehler zu versorgen, muss das Herz ruhig stehen. Deswegen übernimmt eine Herz-Lungen-Maschine vorübergehend die Kreislauffunktion.

Ein Herzklappenersatz durch eine mechanische oder eine biologische Herzklappe erfolgt oft durch eine offene Herz-OP.

  • Mechanische Herzklappen bestehen aus speziellem Material (pyrolytischem Kohlenstoff) und können die Aortenklappe oder die Mitralklappe ersetzen. Nach einem mechanischen Klappenersatz ist immer eine dauerhafte Einnahme von Gerinnungshemmern notwendig.
  • Biologische Herzklappen bestehen aus tierischem Gewebe (vom Schwein oder Rind), eine dauerhafte Begleittherapie mit Gerinnungshemmern ist hier meist nicht erforderlich. Allerdings haben biologische Klappen eine geringere Haltbarkeit als mechanische Herzklappen.

Minimalinvasive Eingriffe bei Herzklappenfehlern

In bestimmten Fällen sind minimalinvasive Eingriffe bei Herzklappenfehlern sinnvoll. Im Allgemeinen sind diese Verfahren schonender als eine große, offene Herz-OP.

Beispielsweise können bestimmte Herzklappenrekonstruktionen minimalinvasiv-chirurgisch erfolgen, über einen kleinen Schnitt unterhalb der Brustwarze. Ein Beispiel ist die Rekonstruktion der Mitralklappe mithilfe eines Reparaturrings. Fachleute nennen diesen Eingriff Anuloplastik.

Zudem gibt es kathetergestützte minimalinvasive Verfahren: Dabei wird ein Katheterschlauch zum Beispiel über die Beinvene oder die Beinarterie in der Leistengegend bis zur erforderlichen Stelle am Herzen vorgeschoben und das Klappensystem angebracht. Das Herzteam überwacht den gesamten Eingriff mithilfe von Bildgebungsverfahren.

Folgende minimalinvasive Verfahren mittels Katheter sind mittlerweile gut untersucht und kommen häufig zum Einsatz:

  • TAVI (Transkatheter-Aortenklappenimplantation) zum Ersatz der Aortenklappe
  • Einsatz eines Clips (MitraClip) an der Mitralklappe (bei Mitralklappeninsuffizienz)
  • Trikuspidalklappen-Clip (TriClip) zur Rekonstruktion der Trikuspidalklappe

In Einzelfällen kann bei einer Aortenstenose auch eine sogenannte Ballonvalvuloplastie erfolgen. Das Herzteam schiebt dabei einen sogenannten Ballonkatheter zum Herzen vor und dehnt die verengte Aortenklappe auf, um dem Herzen schnell Entlastung zu verschaffen. Später wird die Aortenklappe gegebenenfalls in einer Herz-OP oder durch das TAVI-Verfahren ersetzt. Eine Ballonvalvuloplastie findet eher bei Personen mit sehr schlechtem Gesundheitszustand Anwendung.

Erfolgsaussichten der Herzklappenfehler-Behandlung: Heilungschancen und Lebensqualität

Wie sich eine neue Herzklappe auf die Lebenserwartung und Lebensqualität auswirkt, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. So können das Alter, Art und Schweregrad der Klappenerkrankung, der sonstige Gesundheitszustand des Herzens und bestehende Begleiterkrankungen Einfluss nehmen. Nachdem ein Herzklappenfehler behandelt wurde, bessern sich Beschwerden wie Atemnot und verringerte Belastbarkeit meist spürbar.

Viele Menschen führen nach einer Herzklappenbehandlung ein annähernd normales Leben mit guter Lebensqualität und haben eine normale Lebenserwartung. Die Lebenserwartung ohne OP oder Kathetereingriff ist bei schweren Herzklappenfehlern in der Regel verringert.

Nach der Herzklappenfehler-Behandlung: Rehabilitation und Nachsorge

Wie sich die Erholungsphase nach einer Herzklappen-OP gestaltet, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand der betreffenden Person. Nach einer offenen Herz-OP dauert die Erholungsphase in der Regel etwas länger als bei minimalinvasiven Eingriffen. Bei Letzteren ist oft schon nach wenigen Tagen eine Entlassung möglich. Das Herzteam gibt Patient:innen dann wichtige Informationen über die richtigen Verhaltensweisen in der ersten Zeit zu Hause, zur Medikamenteneinnahme und über Nachsorgetermine mit.

Nach vielen Herz-Eingriffen schließt sich an den Klinikaufenthalt eine Reha an. Sie ist wichtig, um die Leistungsfähigkeit wieder zu steigern und Sicherheit im Leben mit der neuen Herzklappe zu gewinnen.

Fazit: Alles Wichtige zur Herzklappenfehler-Behandlung

Herzklappenfehler, die mit Beschwerden einhergehen, erfordern meist eine Behandlung. Medikamente beheben den Klappenfehler nicht, können aber das Herz entlasten und die Symptome verbessern. Außerdem dienen sie mitunter als Begleitmedikation nach einer Herzklappentherapie. Defekte Herzklappen lassen sich reparieren oder ersetzen. Dies kann durch offene Herz-Operationen oder minimalinvasive Verfahren geschehen. Nach der Behandlung eines Herzklappenfehlers ist oft ein normales Leben mit guter Lebensqualität möglich.

FAQ

Wie lange kann man mit defekter Herzklappe leben?

Die Lebenserwartung mit einer defekten Herzklappe lässt sich nicht pauschal einschätzen. Unbehandelt führen Herzklappendefekte jedoch zu einer zunehmenden Verschlechterung der Herzfunktion und können die Lebenserwartung dadurch verkürzen.

Kann sich eine Herzklappe nach der Behandlung wieder komplett erholen?

Oft lässt sich die Funktion einer defekten Herzklappe durch eine Behandlung wieder vollständig herstellen.

Wann muss ein Herzklappenfehler behandelt werden?

In der Regel sollte ein Herzklappenfehler spätestens dann behandelt werden, wenn er Beschwerden verursacht.

Autorin: Pascale Huber

Beschreibung: Patient:innen komplexe medizinische Themen verständlich zu machen, sind ihr eine Herzensangelegenheit. Als Leiterin einer medizinischen Redaktion greift sie auf jahrelange Erfahrung in der Wissensvermittlung sowohl human- als auch tiermedizinischer Themen zurück.

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