Depression und Herzbeschwerden

Psyche und Herz stehen miteinander in einer engen Verbindung und beeinflussen sich gegenseitig. Seelischer Stress kann sich negativ auf die Herzgesundheit auswirken, für Menschen mit Depressionen besteht sogar ein nachweislich erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen. Umgekehrt kann eine bestehende Herzerkrankung auf die Psyche schlagen, was sich zusätzlich negativ auf das Herz auswirkt – ein Teufelskreis, den es frühzeitig zu durchbrechen gilt.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Herzgesundheit und Psyche stehen in einem engen Zusammenhang.
  • Stress und seelische Belastung beeinflussen verschiedene Körperfunktionen, etwa den Blutdruck, die Ausschüttung von Stresshormonen oder die Schlafqualität, die jeweils Auswirkungen auf das Herz haben.
  • Depressionen gehen nachweislich mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen einher, eine angemessene Behandlung kann dieses Risiko senken.

Die Verbindung zwischen Depression und Herzkrankheiten: Ein Teufelskreis

Depressionen führen zu vielfältigen Beschwerden. Das seelische Empfinden ist aus dem Gleichgewicht, viele Betroffene fühlen sich antriebslos und ziehen sich sozial zurück. Die Erkrankung macht es in der Regel zur Herausforderung, einen gesunden Lebensstil mit ausreichend körperlicher Aktivität und einer ausgewogenen Ernährung zu führen. Ängste und Schlafstörungen, die oftmals Begleiterscheinungen von Depressionen sind, stören den Hormonhaushalt und das Immunsystem. Daher haben Depressionen einen negativen Einfluss auf zahlreiche Faktoren, die sich auf die Herzgesundheit auswirken. Besteht eine Herzerkrankung, kann diese wiederum die Psyche stark belasten. Erlebte oder bestehende Herzbeschwerden führen häufig zu Angst, Sorgen und Verunsicherung – ein Teufelskreis entsteht.

Symptome, die auf Depression und Herzbeschwerden hinweisen können

Herz und Psyche sind eng miteinander verbunden. Symptome von Depressionen und Herzbeschwerden können sich gegenseitig verstärken und lassen sich oft nur schwer voneinander abgrenzen.
Folgende Beschwerden können beispielsweise auf eine Depression hindeuten, aber auch als Folge einer Herzerkrankung auftreten:

  • Verminderter Antrieb, Freudlosigkeit
  • Anhaltende Niedergeschlagenheit
  • Erschöpfungsgefühle
  • Schlafstörungen
  • Gewichtszunahme
  • Angst- und Beklemmungsgefühle
  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Herzstolpern
  • Atemnot
  • Engegefühl im Brustkorb
  • Schmerzen in der Herzgegend
     

Wie beeinflusst eine Depression die Herzgesundheit?

In unserer Sprache finden sich bereits Hinweise auf die Verbindung von Psyche und Herz, zum Beispiel, wenn wir uns „etwas zu Herzen nehmen“ oder uns eine Situation „zu Herzen geht“.
Aber was geschieht im Körper, wenn die Psyche auf das Herz schlägt?

Stress und Depression wirken auf verschiedenen Wegen auf die Herzgesundheit ein, sowohl durch körperliche als auch verhaltensbedingte Effekte. So beeinflusst Stress die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol sowie das vegetative Nervensystem, welches unter anderem die Frequenz von Atmung und Herzschlag steuert.

Auf Dauer steigert dies wesentliche Risikofaktoren von Herz-Kreislauferkrankungen, darunter folgende:

  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) und Entzündungsreaktionen im Körper
  • Bluthochdruck
  • Schlafstörungen und Schlafmangel

Stress und Depression gehen außerdem oft mit ungesunden Verhaltensweisen einher, die sich negativ auf das Herz auswirken können.
 

Wer ist besonders gefährdet? Risikofaktoren im Überblick

Trauer, Einsamkeit und berufliche oder private Konflikte verursachen Stress und können mit Depressionen in Verbindung stehen. Unbehandelte Depressionen stehen außerdem im Zusammenhang mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen, zum Beispiel der koronaren Herzkrankheit (KHK).
Das Risiko steigt zudem, wenn ungesunde Verhaltensweisen hinzukommen, zum Beispiel:

  • Ungesunde Ernährung, z. B. mit zu großen Mengen an Zucker, tierischen Fetten und Salz
  • Rauchen
  • Übermäßiger Alkoholkonsum
  • Bewegungsmangel

Umgekehrt können Herzerkrankungen selbst zum Stressfaktor werden. So leidet oftmals die Psyche nach einer Herz-OP oder nach einem Herzinfarkt, denn es handelt sich um einschneidende Erlebnisse, bei denen Menschen mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden und womöglich sogar Todesangst erleben. Darüber hinaus kann es bei chronischen Herzerkrankungen wie der Herzschwäche als sehr belastend empfunden werden, zu wissen, dass die Erkrankung wahrscheinlich nicht geheilt werden kann und man den Rest seines Lebens damit wird zurechtkommen müssen. Als Folge können Depressionen nach einer Herz-OP, einem Herzinfarkt oder bei chronischen Herzerkrankungen auftreten.

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Prävention und Behandlung: So schützen Sie Psyche und Herz

Generell kommen Maßnahmen, die Stress reduzieren, oft auch der Herzgesundheit zugute. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Soziale Kontakte pflegen
  • Ausgewogene, herzgesunde Ernährung
  • Hobbys nachgehen, die Freude bereiten
  • Regelmäßig körperlich aktiv sein, am besten durch Sport

Wer seelisch stark belastet ist, profitiert außerdem von gezielten Entspannungstechniken, unter Umständen auch von einer psychotherapeutischen Unterstützung.
Besteht der Verdacht auf eine Depression, gilt es, diese so früh wie möglich ärztlich behandeln zu lassen. Neben Medikamenten und einer psychotherapeutischen Begleitung fließen in die Behandlung von Depressionen gleichzeitig Maßnahmen ein, die auch das Risiko von Herzerkrankungen senken können. Dazu gehören etwa Änderungen im Lebensstil wie eine gesunde Ernährung oder regelmäßige körperliche Aktivität.
Bei chronischen Herzerkrankungen sowie nach einer Herz-OP oder einem Herzinfarkt ist nicht nur die körperliche Behandlung von Bedeutung, auch die Psyche wird in den Blick genommen. Eine engmaschige ärztliche Betreuung hilft, psychische Probleme frühzeitig zu erkennen und anzugehen. Traumaspezifische Psychotherapien können wertvolle Hilfe zur seelischen Bewältigung belastender Ereignisse wie einem Herzinfarkt leisten. Zudem bieten manche Kliniken inzwischen psychokardiologische Rehabilitationen an.
 

Tipps für Angehörige: Unterstützung bei Depression und Herzbeschwerden

Angehörige können Menschen bei Depressionen und Herzerkrankungen effektiv unterstützen, indem sie

  • zu sozialen Aktivitäten und täglicher Bewegung motivieren, z. B. zu gemeinsamen Hobbys oder gemeinsamem Sport.
  • einen gesunden Lebensstil einschließlich herzgesunder Ernährung fördern, z. B. durch gemeinsames Kochen.
  • Sorgen, Ängste und körperliche Beschwerden ernstnehmen und zuhören.
  • auf eine zuverlässige Medikamenteneinnahme achten.
  • im Zweifelsfall immer ärztlichen Rat einholen!
     

Fazit: Zusammenhang zwischen Depressionen und Herzbeschwerden

Psyche und Herz beeinflussen sich gegenseitig. Andauernder Stress oder eine psychische Erkrankung wie eine Depression steigern das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen. Stresshormone, ein gestörtes vegetatives Nervensystem und gesundheitsschädigendes Verhalten zählen zu den Ursachen. Auch Herzerkrankungen selbst können die Psyche schwer belasten und in manchen Fällen in Depressionen – und damit in einem Teufelskreis – münden.

FAQ

Wie äußern sich psychosomatische Herzbeschwerden?

Psychosomatische Herzbeschwerden äußern sich unter anderem durch Herzklopfen, Herzrasen, Herzstolpern, einem Engegefühl in der Brust oder Herzschmerzen.

Ist eine Depression nach einer Herzoperation normal?

Eine Herzoperation wird oft als psychisch belastend empfunden, sodass eine Depression als Begleiterkrankung auftreten kann. Generell ist das Risiko von Depressionen bei Herzerkrankungen erhöht.

Gibt es Persönlichkeitsveränderungen nach einer Operation am offenen Herzen?

Eine Herzoperation kann bei manchen Menschen zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen, die mit Angstzuständen, Depressionen und Wesensveränderungen einhergehen kann.

Können Depressionen Herzrhythmusstörungen auslösen?

Depressionen beeinflussen unter anderem das vegetative Nervensystem, das Herz- und Atemfrequenz reguliert. Daher ist es möglich, dass bei Depressionen körperliche Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen auftreten.

Autorin: Pascale Huber

Beschreibung: Patient:innen komplexe medizinische Themen verständlich zu machen, sind ihr eine Herzensangelegenheit. Als Leiterin einer medizinischen Redaktion greift sie auf jahrelange Erfahrung in der Wissensvermittlung sowohl human- als auch tiermedizinischer Themen zurück.

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