Aortenklappenstenose-Behandlung
Die Aortenklappenstenose ist mit einem Anteil von etwa 43 Prozent die häufigste Herzklappenerkrankung in der europäischen Bevölkerung. Da es keine wirksame medikamentöse Therapie gibt, wird die verengte Klappe in der Regel im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs oder minimalinvasiv mittels eines kathetergestützten Verfahrens ausgetauscht.
Was ist die Aortenklappenstenose und warum muss sie behandelt werden?

Die Aortenklappe liegt zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta). Sie verhindert, dass das sauerstoffreiche Blut, das von der linken Herzkammer über die Aorta in den Körper gepumpt wird, zwischen den Herzschlägen wieder in die Herzkammer zurückfließt.
Im Laufe des Alterungsprozesses verengt sich die Aortenklappe häufig und ihre Beweglichkeit nimmt ab. Grund für die Verengung (Stenose) sind meistens Ablagerungen aus Kalk und Cholesterin. Wesentlich seltener ist eine angeborene Klappenfehlbildung für eine Aortenklappenstenose verantwortlich.
Unabhängig von der Krankheitsursache behindert eine Aortenklappenstenose den Blutfluss. Um den Körper ausreichend mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen, muss das Herz deutlich mehr Leistung erbringen. Oft verursacht eine Aortenklappenstenose über viele Jahre hinweg keine Symptome. Langfristig kann die andauernde Überlastung jedoch zu einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) führen. Treten bei einer Aortenklappenstenose Beschwerden wie Luftnot, Schwindel, Ohnmachtsanfälle oder eine verminderte Leistungsfähigkeit auf, ist eine rasche Behandlung sehr wichtig. Die verbleibende Lebenserwartung ist sonst stark eingeschränkt.
Therapiemöglichkeiten im Überblick: So wird die Aortenklappenstenose behandelt
Eine leichte, asymptomatische Aortenklappenstenose muss nicht unmittelbar behandelt werden. Allerdings sollten Sie regelmäßig, zum Beispiel alle drei Jahre, eine Kontrolluntersuchung durchführen lassen, um sicherzustellen, dass die Stenose sich nicht verstärkt hat.
Auch bei einer hochgradigen Aortenklappenstenose, die weder im Ruhezustand noch im Rahmen eines Belastungstests Symptome verursacht, entscheidet sich Ihr Herzteam unter Umständen dafür, zunächst abzuwarten. Allerdings erfolgen die Kontrolluntersuchungen wesentlich häufiger als bei einer leichten Stenose, oft im Abstand von nur sechs bis zwölf Monaten. So ist sichergestellt, dass Ihre Ärzt:innen bei Bedarf rasch reagieren können, wenn sich der Zustand Ihres Herzens verschlechtert.
Ist die Funktion der linken Herzkammer bereits beeinträchtigt oder zeigen sich in Ruhe oder bei Belastung Symptome, ist bei einer hochgradigen Aortenklappenstenose eine schnellstmögliche Behandlung wichtig; meist wird sie durch eine künstliche Klappe ersetzt. Neben einem chirurgischen Eingriff am offenen Herzen steht mit der Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI) mittlerweile eine schonende, katheterbasierte Behandlung zur Verfügung.
Eine rein medikamentöse Behandlung kommt hingegen nur bei Personen zum Einsatz, bei denen weder ein chirurgischer noch ein minimalinvasiver Eingriff möglich ist – beispielsweise aufgrund schwerer Vorerkrankungen. Auch, wenn die verbleibende Lebenserwartung sehr gering ist, überwiegen die Risiken des Eingriffs unter Umständen den zu erwartenden Nutzen.
Chirurgische Behandlung der Aortenklappenstenose: Wann ist sie notwendig?
Bei der konventionellen chirurgischen Behandlung öffnet der oder die Chirurg:in den Brustkorb, indem er oder sie das Brustbein vollständig durchtrennt. Während des Eingriffs wird das Herz vorübergehend stillgelegt. Seine Funktion übernimmt in dieser Zeit eine Herz-Lungen-Maschine. Die erkrankte Aortenklappe wird während der Operation herausgetrennt und durch eine mechanische oder biologische, aus Rinder- oder Schweinegewebe bestehende Klappe ersetzt. Mechanische Klappen bestehen aus Materialien wie Metall, Kunststoff oder Carbon, sind sehr widerstandsfähig und haben eine längere Haltbarkeit als biologische Klappen. Allerdings müssen Betroffene lebenslang einen Gerinnungshemmer einnehmen. Das ist ein Medikament, das die Blutgerinnung herabsetzt und die Bildung von Blutgerinnseln verhindern soll. Bei biologischen Klappen ist eine dauerhafte Behandlung mit einem Gerinnungshemmer meist nicht erforderlich.
Alternativ zur Operation am offenen Herzen ist ein minimalinvasiver Aortenklappenersatz möglich. Dafür ist lediglich ein etwa sieben bis acht Zentimeter langer Einschnitt notwendig. Dieser erfolgt entweder im oberen Bereich des Brustbeins, das danach nur teilweise durchtrennt wird, oder zwischen dem zweiten und dritten Zwischenrippenraum. Auch bei diesem Eingriff wird das Herz stillgelegt und die betroffene Person stattdessen an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen.
TAVI-Verfahren: Die moderne Alternative zur Operation
Beim TAVI-Verfahren erfolgt der Zugang zum Herzen mithilfe eines Katheters, der über eine große Vene an das Herz herangebracht wird. Dazu ist lediglich ein kleiner Einschnitt erforderlich, meist im Bereich der Leiste. Zunächst schiebt der oder die Ärzt:in einen sogenannten Ballonkatheter an das Herz heran. Damit wird die verkalkte und verhärtete Aortenklappe gedehnt, um ausreichend Platz für die Prothese zu schaffen. Entfernt werden muss die alte Aortenklappe nicht.
Die Prothese besteht aus biologischem Material, das an einem Drahtgeflecht befestigt ist. Sie ist zunächst zusammengefaltet, sodass sie sich mithilfe des Katheters gut zum Herzen schieben lässt. Dort wird sie im Bereich der defekten Herzklappe platziert. Sobald sie optimal sitzt, wird sie entfaltet und drückt dabei automatisch die Taschen der defekten Aortenklappe an die umgebenden Gefäßwände. Nach dem Einsetzen der Prothese wird der Katheter herausgezogen und der kleine Einschnitt vernäht. Der Eingriff erfordert in der Regel keine Vollnarkose, und die Herz-Lungen-Maschine kommt nicht zum Einsatz.
Vor- und Nachteile der TAVI
Das katheterbasierte TAVI-Verfahren ist besonders schonend und deshalb vor allem für ältere Menschen und Betroffene mit mittlerem oder hohem Operationsrisiko gut geeignet. Aber auch jüngere Menschen können unter Umständen von dem Eingriff profitieren. Die Vorteile liegen vor allem darin, dass normalerweise keine Vollnarkose erforderlich ist und der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine umgangen wird. Nach dem Eingriff erholen sich die Betroffenen meist innerhalb weniger Tage; die Wundheilung geht schnell vonstatten, da nur ein kleiner Einschnitt notwendig ist, und die Schmerzbelastung ist in der Regel geringer.
Allerdings ist das Verfahren noch relativ neu. Es lässt sich deshalb noch nicht genau abschätzen, wie lange die implantierten Prothesen halten. Eine lange Haltbarkeit ist vor allem für jüngere Menschen entscheidend. Außerdem ist der Eingriff in manchen Fällen nicht möglich, beispielsweise bei einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) oder bei bestimmten anatomischen Besonderheiten.


Nach der Aortenklappenstenose-Behandlung: Rehabilitation und Lebensqualität
Studien haben gezeigt, dass ein erfolgreicher chirurgischer oder katheterbasierter Austausch der Aortenklappe die verbleibende Lebenserwartung erhöhen und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern kann.
Insbesondere nach einem chirurgischen Eingriff sollten Betroffene sich jedoch für einige Wochen schonen und anstrengende körperliche Tätigkeiten vermeiden. Wurde das Brustbein durchtrennt, ist es wichtig, für etwa drei Monate keine schweren Gegenstände zu heben. Ihre behandelnden Ärzt:innen werden Ihnen nach der Operation mitteilen, wann Sie sich wieder voll belasten dürfen.
Sport ist nach einer Herzoperation keineswegs tabu, allerdings sollten Sie darauf achten, sich nicht zu überlasten. Sportarten, bei denen Sie sich ruckartig bewegen müssen, sind nach einer Operation am offenen Herzen nicht geeignet. Auch bei Leistungssport und Krafttraining ist Vorsicht geboten. Ihre Arbeit können Sie in der Regel nach etwa vier Wochen wieder aufnehmen, bei schwerer körperlicher Arbeit nach etwa drei Monaten.
Um nach dem Eingriff auch langfristig gesund zu bleiben, ist ein gesunder Lebensstil ratsam.
- Verzichten Sie nach Möglichkeit darauf, zu rauchen.
- Versuchen Sie, ein normales Körpergewicht zu halten oder zu erreichen.
- Vermeiden Sie übermäßigen Stress.
- Ernähren Sie sich ausgewogen, und achten Sie darauf, nicht zu viel Fett und Zucker zu sich zu nehmen.
- Bauen Sie regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag ein. Dazu zählt nicht nur Sport, sondern auch alltägliche Aktivitäten wie Haus- oder Gartenarbeit, Treppensteigen oder Spazierengehen.
- Nehmen Sie die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen in ihrer hausärztlichen und kardiologischen Praxis wahr.
- Wenn Sie zu hohen Blutdruck haben, sollte dieser optimal mit Medikamenten eingestellt werden.
Fazit: Alles Wichtige zur Aortenklappenstenose-Behandlung
Während eine asymptomatische Aortenklappenstenose unter Umständen nicht unmittelbar behandelt werden muss, ist eine Therapie bei einer hochgradigen und symptomatischen Stenose fast immer unumgänglich, da die Erkrankung die Lebenserwartung erheblich verkürzt. Der Ersatz der verengten Aortenklappe durch eine biologische oder mechanische Prothese erfolgt entweder im Rahmen einer Operation oder mittels eines katheterbasierten Verfahrens, der TAVI. Vorteil der TAVI ist, dass im Gegensatz zur Operation der Brustkorb nicht eröffnet werden und das Herz nicht stillgelegt werden muss. Auch eine Vollnarkose ist in der Regel nicht notwendig. Das ist vor allem bei älteren und gebrechlichen Menschen mit Vorerkrankungen relevant, die häufig ein hohes Operationsrisiko haben.
FAQ
Die Aortenklappe besteht normalerweise aus drei halbmondförmigen, kreisförmig angeordneten Taschen. Bei einer bikuspiden Aortenklappe sind von Geburt an nur zwei Taschen vorhanden, entweder weil zwei der drei Taschen miteinander verwachsen sind oder weil sich während der Embryonalentwicklung von vorneherein nur zwei Taschen ausgebildet haben. Das Fehlen der dritten Tasche kann dazu führen, dass die Ränder der verbleibenden Taschen nicht mehr vollständig in Kontakt kommen: Die Aortenklappe wird undicht (Aortenklappeninsuffizienz). Außerdem neigt eine bikuspide Aortenklappe dazu, frühzeitig zu verkalken, wodurch es zu einer Aortenklappenstenose kommen kann.
Oft verursacht eine Aortenklappenstenose lange Zeit keine Beschwerden. Solange ist die verbleibende Lebenserwartung normal. Treten aber Symptome wie Brustschmerzen (Angina pectoris), Kurzatmigkeit oder kurze Ohnmachtsanfälle (Synkopen) auf, verkürzt sich die Lebenserwartung unbehandelt deutlich: bei einer Angina pectoris auf etwa fünf Jahre, bei Synkopen auf zwei bis drei und bei einer Herzschwäche auf nur ein bis zwei Jahre.
Eine Aortenklappenstenose muss nicht immer Symptome verursachen, von allein zurückbilden kann sie sich jedoch nicht.
Autorin: Brit Neuhaus
Beschreibung: Dr. Brit Neuhaus ist Diplom-Biologin und hat während ihrer Tätigkeit in der biomedizinischen Grundlagenforschung den Spaß am Schreiben für sich entdeckt. Bereits seit zehn Jahren macht sie nun als Medizinredakteurin komplexe medizinische und biologische Sachverhalte für interessierte Menschen zugänglich.
- Quellen
- Herold G. Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2022
- Pschyrembel Online. Aortenklappenstenose, unter: www.pschyrembel.de/Aortenklappenstenose/K02NK. (Abruf: 17.09.2025)
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- Gemeinsamer Kommentar der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTGH) zu den Leitlinien (2021) der ESC/EACTS zum Management von Herzklappenerkrankungen. Kardiologie 2022;16:270–278.
- Vahanian A et al. 2021 ESC/EACTS Guidelines for the management of valvular heart disease. Eur Heart J 2022;43:561–632
- Deutsche Herzstiftung. Aortenklappenstenose: So stark kann sie unser Herz belasten, unter: herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzklappen-erkrankung/aortenklappenstenose (Abruf: 17.09.2025)
- Deutsche Herzstiftung. Aortenklappenstenose: OP oder Katheter (TAVI)?, unter: herzstiftung.de/herz-sprechstunde/aktuelle-stellungnahmen/aortenklappenstenose-op-katheter (Abruf: 17.09.2025)
- Herz- und Diabeteszentrum Nordrein-Westfalen. Aortenklappenstenose, unter: www.hdz-nrw.de/kliniken-institute/kliniken/klinik-fuer-thorax-und-kardiovaskularchirurgie/behandlung/herz-und-gefaesschirurgie/herzklappen-operationen/aortenklappe/aortenklappenstenose.html (Abruf: 17.09.2025)
- Deutsches Herzzentrum der Charité: Die Aortenklappe und ihre Erkrankungen, unter: www.dhzc.charite.de/ratgeber/aortenklappenstenose/ (Abruf: 17.09.2025)
- Deutsches Herzzentrum der Charité: Chirurgischer Aortenklappenersatz, unter: www.dhzc.charite.de/ratgeber/aortenklappenersatz/ (Abruf: 17.09.2025)
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9-GE-5-16465-02 07-2025
