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Übergewicht und Adipositas bei Herzinsuffizienz

Einerseits galt lange Zeit, dass Menschen, die ein paar Kilos zu viel auf die Waage bringen, im Krankheitsfall länger leben, weil sie mehr Reserven haben. Auf der anderen Seite gelten Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) als Risikofaktoren für eine Reihe von Erkrankungen, vor allem Herz-und Gefäßkrankheiten. Ist es für Herzpatienten nun ratsam, auf ein gesundes Gewicht zu achten, oder schadet es am Ende sogar abzunehmen? Erfahren Sie hier, was Sie zum Thema Übergewicht und Herzschwäche wissen sollten.

Übergewicht und Adipositas bei Herzinsuffizienz

Übergewicht und Adipositas: Wo sind die Grenzen?

Die Wahrnehmung, ob man sich selbst oder jemand anderen als dünn, normal, kräftig oder gar „dick“ einstuft, ist vermutlich individuell recht unterschiedlich. Um zu einer objektiven Einschätzung zu kommen, ist daher der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) ein hilfreiches Mittel, um das Körpergewicht einzuordnen. Der BMI setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße (kg/m2). Die Deutsche Gesellschaft für Adipositas spricht bei einem BMI von 25 und mehr von Übergewicht, ab einem Wert von 30 von Adipositas (Fettleibigkeit).

Im Allgemeinen gilt ein zu hohes Körpergewicht als ungesund, doch vor einigen Jahren warf das sogenannte Adipositas-Paradoxon unter Experten Fragen auf: Dieser Effekt schrieb nämlich jenen Personen mit Übergewicht auch Vorteile zu, etwa ein geringeres Sterberisiko. Mittlerweile gilt dieser Zusammenhang für Gesunde jedoch als widerlegt. Aber: Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie bewertet Übergewicht bei Patienten mit einer chronischen Herzschwäche zumindest nicht als Nachteil, da Studien zufolge die Sterblichkeitsrate bei übergewichtigen Patienten mit Herzschwäche gegenüber solchen mit Normalgewicht niedriger war. Doch welche Konsequenzen sollten Herzpatienten nun aus dieser Bewertung ziehen?

Fakt bleibt: Übergewicht hat viele gesundheitliche Nachteile

Solange noch nicht vollständig geklärt ist, warum ein paar Extrakilo bei Herzschwächepatienten mit einer geringeren Sterblichkeit einhergehen, bleiben die bekannten Nachteile des Übergewichts ein Fakt. Denn zu den Folgen von Übergewicht zählt ein höheres Risiko für

  • Diabetes mellitus Typ II (Zuckerkrankheit),
  • Bluthochdruck,
  • Herz- und Gefäßerkrankungen (z. B. Arteriosklerose) und deren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall,
  • Fettleber,
  • Gelenkverschleiß (Arthrose),
  • bestimmte Krebsarten und nicht zuletzt für die Entstehung einer Herzinsuffizienz.

Im Klartext heißt das: Normalgewicht trägt in einem gewissen Umfang dazu bei, einer Herzinsuffizienz und auch den anderen genannten Erkrankungen vorzubeugen. Es lohnt sich also nach wie vor, Normalgewicht anzustreben. Das gilt für Gesunde, insbesondere aber auch für Menschen, die an Krankheiten wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder einer krankhaften Verengung der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit, KHK) leiden.

Wie sollte ich mich bei einer Herzschwäche ernähren?

Inwiefern eine bestimmte Ernährung speziell eine Herzschwäche beeinflussen kann, ist bisher nicht ganz geklärt. Man weiß jedoch, dass die sogenannte Mittelmeerküche für die Gesundheit von Herz und Gefäßen wichtig ist, daher gilt sie bisher auch bei einer Herzschwäche als empfehlenswert. Zu dieser mediterranen Diät gehören zum Beispiel viel Obst, Gemüse und Ballaststoffe, wenig Fleisch, jedoch häufiger Fisch und vor allem pflanzliche Öle (wie Olivenöl) statt tierischer Fette wie Butter.

Wenn Sie an einer Herzschwäche erkrankt sind, gibt es noch einen weiteren wichtigen Aspekt, den Sie bei der Ernährung beachten sollten: den Salzkonsum. Denn wer seine Speisen zu stark salzt, riskiert, dass der Körper zu viel Flüssigkeit zurückhält. Kann das Herz aufgrund seiner Schwäche das höhere Blutvolumen nicht mehr ausreichend durch den Körper pumpen, kommt es zu einem Rückstau. Wasseransammlungen (Ödeme) bilden sich dann etwa in der Lunge oder in den Beinen. Daher gilt es bei einer Herzschwäche, auf eine begrenzte Salz- und Flüssigkeitsaufnahme zu achten.



Einen Ratgeber zur richtigen Ernährung bei Herzschwäche bietet zum Beispiel die Deutsche Herzstiftung an. Übrigens: Menschen mit Herzschwäche sollten sich generell regelmäßig wiegen, das gilt nicht nur für diejenigen, die gerade überflüssige Pfunde verlieren möchten. Denn wenn Sie binnen weniger Tage plötzlich zunehmen, kann dies auch ein Hinweis auf Wassereinlagerungen sein. In diesem Fall sollten Sie bald einen Arzt aufsuchen, um abzuklären, was dahintersteckt.

Herzschwäche und Übergewicht: Welche Rolle spielt körperliche Aktivität?

Wer überflüssige Pfunde loswerden möchte, bekommt neben Ernährungsempfehlungen auch oft den Rat zu mehr Bewegung oder Sport. Aber sollten Menschen mit Herzschwäche sich nicht lieber schonen? In der Tat riet man früher dazu, körperliche Anstrengung bei einer Herzinsuffizienz zu vermeiden. Heute weiß man aber, dass Sport zum einen die Leistungsfähigkeit bei einer Herzschwäche verbessern kann, zum anderen weisen Untersuchungen daraufhin, dass körperliches Training das Risiko von Krankenhausaufenthalten und möglicherweise auch die Sterblichkeitsrate verringern kann. Körperliche Aktivität wird also mittlerweile als positiv bewertet.

Allerdings sollten Herzpatienten keinesfalls auf eigene Faust trainieren, sondern nur unter fachlicher Anleitung. In Herz- oder Reha-Zentren sowie mithilfe von Herzsportgruppen können Herzpatienten unter ärztlicher Kontrolle herausfinden, welches Maß an Bewegung für ihren individuellen Fall sinnvoll ist. Für die meisten Patienten ist ein moderates Training, das ihrem Grad der Herzschwäche angemessen ist, möglich. Patienten, die jedoch bereits in Ruhe unter Atemnot leiden oder deutliche Wasseransammlungen, zum Beispiel in den Beinen, aufweisen, dürfen sich dagegen nicht anstrengen. Erst, wenn sich ihr Zustand durch Medikamente über mehrere Wochen stabilisiert hat, können gemeinsam mit dem Arzt mögliche Trainingsoptionen besprochen werden.

 

Autorin: Pascale Huber, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: Oktober 2019

Quellen:

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie: Pocket Leitlinie: Herzinsuffizienz (Version 2016)
(leitlinien.dgk.org/files/PLL_2017_HI_Auflage2.pdf)

Deutsche Herzstiftung:
www.herzstiftung.de (zuletzt abgerufen am 10.10.2019)

Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG):
www.adipositas-gesellschaft.de (zuletzt abgerufen am 10.10.2019)

Gesundheitsinformation.de:
www.gesundheitsinformation.de (zuletzt abgerufen am 10.10.2019)

9-GE-5-10650-02 12-2019

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