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Herzerkrankung in Corona-Zeiten: Was ist jetzt für Risikogruppen wichtig? Kardiologe Dr. Naumann klärt auf

Viele Menschen sind derzeit aufgrund der täglich neuen Nachrichten in Bezug auf die Corona-Pandemie verunsichert. Dies trifft insbesondere auf Patienten mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu. Immer wieder kursieren Meldungen, wonach bestimmte Herzmedikamente das Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 begünstigen. Kardiologin Irene Maria Blank aus Herne erklärt hier die Hintergründe und warum es wichtig ist, Medikamente gerade jetzt nicht abzusetzen oder die Dosierung zu ändern.

Herzerkrankung in Corona-Zeiten: Was ist jetzt für Risikogruppen wichtig? Kardiologe Dr. Naumann klärt auf

COVID-19-Infektion: Gehören Herzpatienten zur Risikogruppe?

Die Coronavirus-Pandemie hält die Welt nach wie vor sprichwörtlich in Atem. Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Nachrichten, Erkenntnisse und Statistiken veröffentlicht werden. Denn nach den Lockerungen der sogenannten Corona-Maßnahmen zeigt sich, wie leichtfertig viele Menschen einer möglichen Ansteckung mit dem neuartigen Virus entgegensehen. Vier von fünf Erkrankten zeigen bei einer Infektion zwar nur leichte oder gar keine Symptome, Fakt ist aber: Trotz voller Cafés und öffentlicher Parks hat das Virus für alle Menschen, besonders aber für Risikogruppen, nicht an Gefährlichkeit verloren.

Wer an einer Herzkrankheit leidet, gehört wie auch andere Menschen mit einer Grunderkrankung wie Diabetes, geschwächtem Immunsystem, Erkrankungen des Atemsystems, der Leber und Niere sowie Krebspatienten automatisch zur Risikogruppe. Wer außerdem raucht, stark übergewichtig oder älter als 50 bis 60 Jahre ist, muss von einem noch höheren Risiko ausgehen.

Worauf muss ich als Herzpatient jetzt besonders achten?

Eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 bedeutet nicht, dass es bei Ihnen zwingend zu einem schweren Krankheitsverlauf kommt. Doch Studien zeigen bereits, dass Herzpatienten gegenüber Gesunden besonders häufig schwerwiegende Verläufe durchmachen müssen. Die Krux dabei ist eine angegriffene Lunge. Das betont etwa der Virologe und Corona-Experte Christian Drosten. Denn „ein Herz, das auf Kante genäht ist“, so Drosten in seinem Podcast, müsse bei einer entzündeten Lunge über seine „Leistungsgrenze hinaus“ gehen. Des Weiteren ist es Drosten zufolge sehr wahrscheinlich, dass das Virus nicht nur die Lunge angreift, sondern auch eine „direkte Schädigung des Herzmuskelgewebes“ verursacht.



„Um das Risiko einer Ansteckung möglichst gering zu halten, ist es für Herzpatienten besonders wichtig, die empfohlenen Regeln zu Verhalten, Hygiene und Abstand zu anderen Personen unbedingt einzuhalten“, betont Dr. Ronald Naumann, niedergelassener Kardiologe und Gründer des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) POLYMED in Chemnitz. Er empfiehlt konkret folgende Maßnahmen:

  • Zuhause bleiben, und wenn möglich Kontakt zu anderen Menschen meiden
  • Abstand halten: Mindestens eineinhalb Meter Distanz zu anderen Menschen schützt Sie vor Tröpfcheninfektion mit dem Virus.
  • Berührungen vermeiden: Unterlassen Sie vor allem das Händeschütteln und Umarmungen.
  • Regelmäßiges Lüften der Wohnung, um eventuelle Viruspartikel in der Luft (Aerosole) zu entfernen
  • Besorgungen erledigen lassen: Bitten Sie Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn darum, für Sie einzukaufen. Ist dies nicht möglich, nutzen Sie Lieferdienste.
  • Telemedizinische Sprechstunden nutzen: Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach Alternativen zum persönlichen Gespräch.
  • Öffentliche Verkehrsmittel meiden
  • Regelmäßiges Händewaschen: Waschen Sie, vor allem nach Personenkontakt, nach dem Einkaufen und der Benutzung sanitärer Einrichtungen sowie vor dem Essen, Ihre Hände inklusive der Handrücken und der Bereiche zwischen den Fingern für mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.
  • Nicht ins Gesicht greifen: Versuchen Sie, sich möglichst nicht an Mund, Augen oder Nase zu fassen, um eine Übertragung des Virus auf die Schleimhäute zu verhindern.
  • Die Armbeuge nutzen: Niesen oder Husten Sie stets in die Armbeuge oder ein Taschentuch, das sofort entsorgt werden kann.

Alarmsignale erkennen: Haben Sie Ihren Körper im Blick?

Als Herzpatient ist es nicht nur während der derzeitigen Corona-Pandemie, sondern grundsätzlich ratsam, auf Veränderungen des Befindens zu achten. Das umfasst neben der regelmäßigen Kontrolle des Blutdrucks auch die Gewichtskontrolle. Dr. Naumann rät: „Achten Sie auf Alarmsignale, die auf eine Verschlechterung der Herzleistung hindeuten.“ Dazu zählen etwa eine plötzliche Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen vor allem in den Beinen sowie schnellere Ermüdung und ein zu niedriger Blutdruck.

Für Menschen mit einer Herzerkrankung ist es wichtig zu wissen, dass eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 nicht bei jedem Infizierten zu denselben Symptomen führt. Einige Menschen bemerken lediglich eine leichte Abgeschlagenheit, bei anderen wiederum äußert sich die Erkrankung durch Fieber, trockenen Husten und/oder Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns. Nicht selten treten Beschwerden auf, die denen einer Herzerkrankung enorm ähneln. „Plötzliche Atembeschwerden oder Luftnot sind deshalb für Herzpatienten generell, aber noch mehr während der aktuellen Pandemie ein Notfall“, so Dr. Naumann. „Je früher medizinische Maßnahmen ergriffen werden können, desto schneller lässt sich das Herz-Kreislauf-System entlasten.“ So vielfältig die individuellen Verläufe auch sein mögen, so wichtig ist es für Sie als Herzpatient, genau auf Ihren Körper zu hören.

Bei folgenden Beschwerden sollten Sie schnellstmöglich einen Arzt kontaktieren:

  • Atembeschwerden, Kurzatmigkeit oder Luftnot bei Anstrengung und vor allem in Ruhe
  • Schmerzen oder Druckgefühl im Brustbereich
  • Wassereinlagerungen, besonders in den Beinen und nach dem Aufstehen
  • Fieber
  • Trockener Husten
  • Schnupfen
  • Störung des Geruchs- und/oder Geschmackssinns
  • Halsschmerzen
  • Allgemeine Schwäche

Achtung: Diese Symptome müssen nicht zwangsläufig zusammen auftreten. Auch alleinstehende Symptome müssen dringend abgeklärt werden.

Bei Beschwerden nicht zögern

Stellen Sie bei sich typische Symptome einer Infektion mit SARS-CoV-2, Herz- oder Atembeschwerden fest, so kontaktieren Sie bitte sofort Ihren behandelnden Arzt oder Ihre Ärztin. Sollten diese nicht erreichbar sein, wählen Sie den Notruf 112 oder die Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter 116117. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich viele Menschen mit Herzproblemen in dieser Zeit davor scheuen, den Notruf zu wählen, oft aus Angst, sich in der Klinik mit SARS-CoV-2 anzustecken“, berichtet Dr. Naumann. „Das Risiko einer Ansteckung ist aber derzeit sehr gering, denn wir und die Kliniken tun alles, um Patienten bestmöglich vor einer Infektion zu schützen.“

Dr. med. Ronald Naumann

Leiter der Kardiologie
MVZ POLYMED - Ambulantes Praxiszentrum Chemnitz

Facharzt für Innere Medizin - Kardiologie

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