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Hätten Sie’s gewusst? 5 Fakten zu biologischen Herzklappen

Wenn eine Herzklappe nicht mehr richtig öffnet oder schließt, kann es sein, dass sie ausgetauscht werden muss. Gerade Menschen im fortgeschrittenen Alter oder mit erhöhtem Blutungsrisiko profitieren von den Vorteilen einer biologischen Herzklappe (Bioprothese). Welche das sind, erfahren Sie hier.

Fakten zu biologischen Herzklappen

1. Biologische Herzklappen bestehen meist aus tierischem Gewebe.

Die meisten biologischen Herzklappen werden entweder aus Aortenklappen von Schweinen oder aus Herzbeutelgewebe von Rindern hergestellt. Das tierische Gewebe wird sorgfältig gereinigt und speziell behandelt, um es länger haltbar zu machen. Danach wird das Gewebe in der Regel auf einem dünnen Metallgerüst (Stent) befestigt, um Form und Funktion der körpereigenen Herzklappe bestmöglich nachzubilden. In seltenen Fällen verwendet der Arzt auch Herzklappen von toten Spendern (Homograft) oder er versetzt eine körpereigene Herzklappe (Autograft).

2. Biologische Herzklappen öffnen und schließen geräuschlos.

Mechanische Herzklappen besitzen meist einen oder zwei Flügel aus speziell gehärtetem Carbon, die an einem Carbon-Ring befestigt sind und sich durch das vom Herzen vorwärts gepumpte Blut automatisch öffnen und schließen. Beim Schließen treffen Flügel und Ring aufeinander – dabei kann ein Geräusch entstehen, das Patienten meist als „Klicken“ wahrnehmen. Oft fällt dieses Geräusch aber nur auf, wenn es sehr ruhig ist. Viele Patienten gewöhnen sich schnell daran und nehmen es nach kurzer Zeit gar nicht mehr wahr. Andere Patienten allerdings empfinden das Geräusch als störend, gerade beim Schlafen. Im Gegensatz dazu öffnen und schließen biologische Herzklappen geräuschlos, da sie aus weichem Gewebe bestehen.

Welche Aufgabe haben unsere Herzklappen?

Unser Herz besteht aus zwei getrennten Hälften mit jeweils zwei Hohlräumen: dem Vorhof und der Hauptkammer. Die Herzklappen funktionieren wie Rückschlagventile und sorgen dafür, dass das Blut immer nur in eine Richtung fließen kann. Auf der linken Seite des Herzens verhindert die Mitralklappe, dass Blut von der Hauptkammer zurück in den Vorhof fließt; auf der rechten Seite übernimmt die Trikuspidalklappe diese Aufgabe. Aortenklappe und Pulmonalklappe dagegen verhindern, dass Blut zurück in die Hauptkammern strömt, nachdem es vom Herzen vorwärts in den Körper gepumpt wurde.

3. Biologische Herzklappen halten lange.

Eine Herzklappe muss viel aushalten: Während das Herz sich permanent rhythmisch zusammenzieht und entspannt, um Blut vorwärts zu pumpen, wirken starke Kräfte auf die Herzklappe ein. Durch die spezielle Behandlung der biologischen Herzklappen halten diese zwar normalerweise viele Jahre, trotzdem kommt es mit der Zeit zu Verschleißerscheinungen. Daher muss eine biologische Herzklappe meist nach 10 bis 15 Jahren ausgetauscht werden. Mechanische Herzklappen dagegen halten in der Regel ein Leben lang.

4. Biologische Herzklappen erfordern keine lebenslange Antikoagulation.

Wer eine mechanische Herzklappe erhält, muss lebenslang gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Diese verhindern, dass das Blut an der Kontaktfläche zur Klappe verklumpt. Da biologische Herzklappen im Gegensatz zu mechanischen Herzklappen aus Gewebe bestehen, verschreibt der Arzt in der Regel nur für die ersten Monate nach der Implantation starke Medikamente zum Schutz vor Blutgerinnseln, d.h. Antikoagulanzien und/oder Thrombozytenaggregationshemmer. Oft können Patienten danach die Medikamente ganz absetzen oder zumindest – je nach Art des Eingriffs, Klappentyp und individuellem Risiko – auf z.B. niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS) wechseln.

5. Biologische Herzklappen können auf verschiedene Weisen eingesetzt werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um eine biologische Herzklappe zu implantieren. Der konventionelle Weg ist eine Operation am offenen Herzen. Hierbei legen Ärzte das Herz für die Dauer der Operation still, eine Herz-Lungen-Maschine hält den Kreislauf aufrecht. In der Regel durchtrennt der Chirurg das Brustbein ganz oder teilweise. Eine Alternative dazu ist die minimalinvasive Chirurgie (MIC), bei der der Chirurg die neue Herzklappe über einen kleinen Schnitt zwischen den Rippen einsetzt. Trotzdem kommt auch in diesem Fall die Herz-Lungen-Maschine zum Einsatz. Anders ist das bei katheterbasierten Verfahren, zum Beispiel der Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI).

Ein interdisziplinäres Herz-Team aus erfahrenen Ärzten wägt gemeinsam mit Ihnen Nutzen und Risiken der verschiedenen Möglichkeiten ab, um individuell zu entscheiden, welcher Weg in Ihrem Fall der beste ist, um Ihre neue Herzklappe einzusetzen.

 

Autorin: Annukka Aho-Ritter, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: Juni 2018

Quellen:

www.escardio.org/Guidelines/Clinical-Practice-Guidelines/Valvular-Heart-Disease-Management-of

www.leitlinien.dgk.org/2018/pocket-leitlinie-management-von-herzklappenerkrankungen-version-2017/

www.leitlinien.dgk.org/files/2018_Kommentar_Herzklappenerkrankungen_Version_ESC2017.pdf

www.dr-gumpert.de/html/kuenstliche_herzklappen.html

Hoffmann G, Lutter G, Cremer J. Verbesserte Haltbarkeit von biologischen Herzklappen. Dtsch Arztebl 2008; 105(8): 143-148.

Herold G et al. Innere Medizin. Selbstverlag. 2017

Renz-Polster H, Krautzig S. Basislehrbuch Innere Medizin. 5. Auflage. Urban & Fischer, München 2013

9-GE-5-8190-02 06-2018

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