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Expertenrat: Warum Sie Herzklappenerkrankungen nicht auf die lange Bank schieben sollten

Zahlreiche Menschen in Deutschland leiden an einer Herzklappenerkrankung – manche wissen davon, andere nicht. Welche Symptome Sie nicht ignorieren sollten und warum eine zeitnahe ursächliche Therapie wichtig ist, erklärt hier Prof. Dr. Axel Linke, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden.

Erkrankungen der Herzklappen sind keineswegs selten; am häufigsten sind dabei die sogenannte Aortenklappenstenose, also eine Verengung der Aortenklappe, und die Mitralinsuffizienz, d. h. eine Undichtigkeit der Mitralklappe. Die Häufigkeit dieser Herzklappenerkrankungen nimmt mit dem Alter zu: In der Gruppe der über 75-Jährigen leidet hierzulande bereits mehr als jeder Zehnte an einer Erkrankung der Aorten- oder Mitralklappe.

Warnzeichen nicht ignorieren

Das Tückische an einer Herzklappenerkrankung ist, dass sie oft lange Zeit unbemerkt bleibt, da sie meist erst im fortgeschrittenen Stadium Beschwerden verursacht. Typische Symptome sind beispielsweise:

  • Luftnot
  • Abnehmende körperliche Leistungsfähigkeit
  • Müdigkeit, Erschöpfung
  • Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme)
  • Schwindel, Ohnmachtsanfälle
  • Brustschmerzen
  • Herzrhythmusstörungen (unregelmäßiger Herzschlag)

„Wenn Sie bei sich solche Symptome feststellen, zögern Sie bitte nicht, ärztlichen Rat einzuholen“, erklärt Professor Linke. Denn: „Bleibt eine Herzklappenerkrankung unbehandelt, kann dies schwerwiegende Folgen haben.“

Anfangs kann nämlich das Herz die Mehrarbeit, die es aufgrund der defekten Klappe verrichten muss, meist noch gut ausgleichen, aber auf die Dauer führt die Überbeanspruchung zu einer Verdickung des Herzmuskels und einer Vergrößerung des Herzens. „Vereinfacht gesagt leiern die Herzkammern dann irgendwann aus, was zu einer lebensbedrohlichen Herzschwäche führen kann“, warnt Professor Linke.



Ursache der Herzklappenerkrankung zeitnah behandeln

Medikamente können die Symptome einer Herzklappenerkrankung zwar manchmal teilweise lindern, auf die Ursache der Erkrankung, also die defekte Herzklappe, haben sie aber keinen Einfluss. „Aus diesem Grund ist es wichtig, das Problem sozusagen direkt an der Wurzel zu packen: Die defekte Herzklappe muss also entweder repariert oder ersetzt werden“, so Professor Linke. Reparatur und Ersatz lassen sich entweder mittels Kathetereingriff oder offener Herz-Operation durchführen. Beide Verfahren erfordern einen Aufenthalt im Krankenhaus. Das dortige Herz-Team, an dem Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Disziplinen wie Kardiologie, Herz-Chirurgie und Kardioanästhesie beteiligt sind, berät gemeinsam darüber, welches Verfahren für Sie am geeignetsten ist.

„Für viele Menschen ist es verständlicherweise anfangs ein Schock, wenn sie zum ersten Mal hören, dass sie sich wegen einer Herzklappenerkrankung einem Eingriff im Krankenhaus unterziehen müssen. So eine Nachricht muss man natürlich erstmal verdauen. Sprechen Sie mit Ihrem behandelten Arzt bzw. Ihrer Ärztin darüber, falls Sie Zweifel oder Sorgen haben, und holen Sie sich gerne auch eine zweite Meinung ein – Sie haben ein Recht darauf“, erklärt Professor Linke. Gleichzeitig warnt er davor, aus Angst eine notwenige Behandlung auf die lange Bank zu schieben: „Gerade während der Corona-Pandemie haben wir das hier im Klinikum häufig erlebt, dass Patientinnen und Patienten aus Verunsicherung ihre bereits vereinbarten Termine wieder abgesagt haben. Da kann ich allen nur sagen: Das Risiko, das von Ihrer unbehandelten Herzklappenerkrankung ausgeht, ist um ein Vielfaches höher als das Risiko, sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus zu infizieren, insbesondere aufgrund der Hygienekonzepte, zu denen die Impfung der Bevölkerung und speziell des medizinischen Personals in zunehmenden Maße beitragen.“

Nach dem Eingriff dranbleiben

Wer erfolgreich eine Herzklappenbehandlung hinter sich gebracht hat, kann Professor Linke zufolge viel dafür tun, um den Erfolg der Therapie langfristig zu sichern: „Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen, abwechslungsreichen Ernährung und ausreichend Bewegung ist gerade für Menschen mit einer Herzklappenerkrankung empfehlenswert, um das Herz zu stärken, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern und die neu gewonnene Gesundheit zu erhalten.“ Außerdem ist es wichtig, dass Sie nach einem Eingriff die Ihnen verordneten Medikamente gewissenhaft einnehmen und regelmäßig zu den erforderlichen Kontrolluntersuchungen gehen.

Prof. Dr. med. Axel Linke

Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden, Universitätsklinik der Technischen Universität Dresden

Facharzt für Innere Medizin und Facharzt für Kardiologie

  • Quellen

    Autorin: Annukka Aho-Ritter, medproduction GmbH, www.medproduction.de

    Datum: August 2021

    Quellen:

    Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): gesundheitsinformation.de - Herzklappenfehler. www.gesundheitsinformation.de/herzklappenfehler.html (letzter Abruf am 11.08.2021)

    European Society of Cardiology/Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: Pocket-Leitlinie Herzklappenerkrankungen (Version 2017)

    9-DAC-5-12733-02 10-2021

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