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Ihr gutes Recht bei Herzschwäche: Welche Unterstützung steht Ihnen zu?

Nach der Diagnose einer Herzschwäche ändert sich für die Patienten vieles. Sie bekommen Arzttermine zur weiteren Diagnostik und zur Behandlung, vielleicht steht sogar eine Operation an. Aber welche Rechte haben Patientinnen und Patienten eigentlich und an wen können sie sich wenden?

Ihr gutes Recht bei Herzschwäche: Welche Unterstützung steht Ihnen zu?

Diagnose Herzschwäche: Und jetzt?

Sie erhalten von Ihrem Arzt die Diagnose „Herzinsuffizienz“. Für die meisten Menschen ist das erst einmal erschreckend, manche fühlen sich vielleicht auch nicht ausreichend aufgeklärt und beraten. Andere sind froh, dass das „Kind endlich einen Namen hat“.

Nun geht es an die Behandlung. Sie werden medikamentös eingestellt, vielleicht ist auch eine Operation geplant. Dabei geht es zumeist um den Einsatz eines Herzschrittmachers. Große Eingriffe, wie der Einsatz eines Herzunterstützungssystems („Kunstherz“) oder eine Herztransplantation sind hingegen seltener. Sie werden angewendet, wenn andere Therapien nicht ausreichen.

Wenn Sie unsicher sind, ob die vorgeschlagene Therapie auch wirklich die beste Lösung für Sie ist, sollten Sie wissen: Sie haben auf jeden Fall das Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung. Suchen Sie sich einen qualifizierten Kardiologen. Vielleicht kann Ihnen Ihr Hausarzt eine Empfehlung geben oder es gibt eine spezialisierte Ambulanz einer großen Klinik in Ihrer Nähe? Dann vereinbaren Sie dort einen Termin und bitten um eine Einschätzung Ihrer Lage und der Behandlungsmöglichkeiten. Außerdem sehen vier Augen mehr als zwei: Manchmal stellt der Kollege einfach andere Fragen und findet so noch einen weiteren wichtigen Aspekt Ihrer Erkrankung.

Mit der Behandlung zurück ins Leben

Von medizinischer Seite ist soweit alles getan. Sie wurden mit Medikamenten versorgt und mit vielen guten Ratschlägen in Ihr „altes“ Leben entlassen, der Nachsorge-Termin ist vorgemerkt. Und jetzt? Es gibt diverse unterstützende Stellen und Maßnahmen, die Ihnen das Leben leichter machen können. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen!

Disease-Management-System

Sie können sich von einem Krankheits-Management-System (Disease-Management-Programm, DMP) begleiten lassen. Diese Programme werden von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten. Neben regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gehören zum Beispiel auch Patientenschulungen zum Programm. Zu den Zielen des Programms gehört es, Sie im Umgang mit der Erkrankung — etwa im Alltag — zu unterstützen, aber auch den Informationsfluss zwischen den behandelnden Ärzten besser zu verzahnen. Auf diese Weise können alle beteiligten Einrichtungen möglichst nahtlos miteinander kooperieren und Sie müssen nicht jedes Mal Ihre Geschichte neu erzählen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Krankenkasse, wenn Sie Interesse an diesem Angebot haben.

Ausgebildete Herzschwestern und -pfleger

In immer mehr Krankenhäusern gibt es ausgebildete Herzschwestern und Herzpfleger, und auch in ambulanten Arztpraxen findet man speziell ausgebildete Medizinische Fachangestellte. Diese auf Herzkrankheiten geschulten Kräfte betreuen Sie etwa nach einer Operation und unterstützen Sie dabei, das Leben mit der Erkrankung gut zu meistern. Mit diesem Fachpersonal stehen Sie meist im engen Kontakt, es kann Ihnen Ihre Fragen zur Erkrankung beantworten und Ihnen dadurch ein sicheres Gefühl geben. Außerdem erkennen Herzschwestern schnell, wenn etwas nicht stimmt und klären dies mit Ihrem Arzt ab. Sie fungieren also auch als Frühwarnsystem bei einer Verschlechterung der Symptome.

Rehabilitationskliniken

Menschen, die aufgrund einer Herzschwäche im Krankenhaus operiert oder behandelt wurden, wird in der Regel anschließend eine Rehabilitation in einer entsprechenden Klinik oder Tageseinrichtung empfohlen. Aber auch Patienten, die nach der Diagnose „Herzinsuffizienz“ ohne Klinikaufenthalt wieder in den Alltag starten sollen und anfänglich Unterstützung benötigen, können an einer Reha teilnehmen. Dort gibt es viele verschiedene Angebote, die bei der Einrichtung des neuen Tagesablaufs helfen, die Wirkung der Medikamente über einen längeren Zeitraum beobachten und gegebenenfalls die Dosis noch einmal anpassen. Es werden sportliche Impulse gesetzt und Sie erhalten wichtige Informationen zum Thema Bewegung und wie Sie diese im Alltag umsetzen können. Und natürlich werden dort all Ihre Fragen beantwortet und Sie haben für Sorgen und Nöte direkte Ansprechpartner.

Eine Rehabilitation – sei sie stationär oder ambulant – müssen Sie selbst beantragen. Den Antrag erhalten Sie bei Ihrem Arzt oder bei Ihrer Krankenkasse. Ihr Arzt begründet die Notwendigkeit aus medizinischer Sicht. Beim Ausfüllen der Unterlagen können verschiedene Stellen behilflich sein, zum Beispiel der Sozialdienst (s.u.).



Psychische Belastung

Die Umstellungen, die eine Herzschwäche mit sich bringen kann, sind nicht immer gering und vielleicht ist es erforderlich auf alte Gewohnheiten künftig zu verzichten. Möglicherweise müssen Sie mit dem Rauchen aufhören, dürfen sich körperlich nicht mehr wie zuvor belasten oder sollen beruflich etwas kürzer treten. Wenn Sie die Veränderungen durch die Erkrankung seelisch belasten, zögern Sie nicht sich Hilfe zu holen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber! Gemeinsam können Sie entscheiden, welche Angebote Sie am besten unterstützen können.

Herzgruppen: Gemeinsam mehr erreichen!

Sie sollen Ihren Lebensstil ändern, auf gesunde Ernährung und Sport achten. Dies alles alleine zu schaffen, ist oft gar nicht so einfach. Mit einer Sportgruppe speziell für Menschen mit Herzinsuffizienz lassen sich Ihre Ziele viel leichter erreichen. In diesen Herzgruppen achtet ein qualifizierter Trainer darauf, dass Sie sich weder über- noch unterfordern. Auch Informationen zur gesunden Ernährung und Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen sind hier Teil des Programms und helfen beim Durchhalten. Herzgruppen in Ihrer Nähe finden Sie zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen.

Schwerbehindertenausweis: Warum Sie die Vorteile nutzen sollten

Wenn Sie infolge der Herzerkrankung besondere Einschränkungen hinnehmen müssen, besteht die Möglichkeit einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Auch wenn für Sie der Begriff vielleicht abschreckend klingt, hat ein solcher Ausweis wichtige Vorteile, auf die Sie nicht verzichten sollten. Je nach Stärke der Einschränkung wird Ihnen ein sogenannter „Grad der Behinderung“ (GdB) von bis zu 100 % zugeordnet. Damit können Sie verschiedene Maßnahmen beantragen, die dem Nachteilsausgleich dienen. Außerdem gibt es Vergünstigungen in der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und von verschiedenen Einrichtungen, sie sind sozusagen „ermäßigungsbefähigt“. Über die Anerkennung einer Schwerbehinderung können durch die Erkrankung auftretende Kosten und Mühen ein wenig aufgewogen werden. Sie sind aber umgekehrt als Ausweisinhaber nicht verpflichtet, dies jemandem mitzuteilen! Die Angst vor einer Stigmatisierung ist also unbegründet, das Gegenteil ist meist der Fall: Es wird mehr Rücksicht genommen und andere Menschen verstehen besser, wie groß der Einschnitt tatsächlich ist.

Sozialdienst

Der kommunale Sozialdienst kann Ihnen bei der gesamten Organisation und Koordination von Maßnahmen helfen: Pflegemittel, Hilfsmittel, Anträge für Unterstützungsangebote, all das können Sie mit dem Sozialdienst gemeinsam erarbeiten und so die bestmögliche Versorgung erhalten. Auch für Kur- oder Rehabilitationsmaßnahmen müssen Anträge gestellt werden, bei denen Sie der Sozialdienst unterstützen kann. Die Mitarbeiter kennen die Rechte der Patienten und wissen, worauf bei der Antragsstellung zu achten ist. Sie können den Sozialdienst vor Ort über die Kommunal- bzw. Stadtverwaltung erreichen, alternativ findet man die Kontaktdaten auch im Internet. Zusätzlich gibt es soziale Beratungsangebote von zum Beispiel der Caritas und der Diakonie (beides kirchliche Träger) sowie von manchen Krankenhäusern, die direkte Beratung am Krankenbett anbieten. Nicht zuletzt können Sie natürlich auch Ihren Arzt um einen hilfreichen Kontakt bitten.

Es gibt viele Unterstützungsangebote für Menschen mit Herzschwäche. Nutzen Sie diese und holen sich die Hilfe, die Sie brauchen!

 

Autorin: Bianca Wiebusch, medproduction GmbH, www.medproduction.de

Datum: September 2019

Quellen:

herzklappenhilfe.de,
www.herzklappenhilfe.de

Kompetenznetz Herzinsuffizienz,
Flyer: knhi.de/wp-content/uploads/2017/08/KNHI_Ratgeber-Herzschwaeche_2017-final.pdf

NVL Chronische Herzinsuffizienz, 2. Auflage, 2017 Version 3,
www.leitlinien.de/nvl/html/nvl-chronische-herzinsuffizienz/kapitel-9

Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf,
www.uke.de/organisationsstruktur/zentrale-bereiche/sozial-pflegeberatung/sozialdienst/index.html

9-GE-5-10359-02 10-2019

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