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Wie Sie auch mit chronischer Herzerkrankung Spaß an Bewegung haben

Gerade für Menschen mit chronischen Herzerkrankungen ist Sport ein wichtiger Teil des täglichen Lebens. Aber welche Sportarten eigenen sich? Und welche Intensität ist die richtige? Alles rund um’s Thema Sport mit Herz lesen Sie hier.

Bewegung mit Herzerkrankung

Körperliche Einschränkungen nicht übergehen

Klar ist: Wer an einer chronischen Herzerkrankung leidet, ist körperlich nicht mehr so belastbar wie früher. Das heißt aber nicht, dass von jetzt an das Sofa Ihr bester Freund sein muss.
Sport ist sogar sehr wichtig: Regelmäßige, dosierte Anstrengung verlangsamt das Fortschreiten der Erkrankung, weil sie sich positiv auf Gefäße und Organe auswirkt. Sie kann sogar wieder eine Verbesserung der Herzleistung herbeiführen!

Außerdem schenkt Bewegung Lebensfreude und im besten Fall neue Kontakte. Was als weiterer Faktor hinzukommt: Sie kann Folgeerkrankungen vermindern. Depressionen, Typ 2 Diabetes und andere Krankheiten, die häufig mit chronischen Herzerkrankungen einhergehen, lassen sich mit regelmäßigem Sport zumindest eindämmen, wenn nicht gar verhindern.

Betreute Herzsportgruppen als Einstieg

Eine gut betreute Rehabilitation ist z.B. notwendig nach einem Herzinfarkt, einer Operation (z.B. Stent, Bypass, Mitral-Clip) oder anderen einschneidenden Ereignissen, die das Herz betreffen (z.B. massive Verschlechterung von Herzschwäche-Symptomen, von Medizinern dekompensierte Herzinsuffizienz genannt). Hierfür gibt es medizinisch betreute Herzsportgruppen. Unter medizinischer Aufsicht lernen Betroffene hier, ihre körperliche Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen, können ohne Risiko wieder in sportliche Betätigung einsteigen und es gibt zusätzliche Beratung zum Thema Ernährung und Lebenswandel. Die Teilnahme daran kann Ihnen Ihr Arzt verschreiben. Einen Kontakt zu diesen Gruppen finden Sie unter www.herzgruppenservice.de. Diese Seite wird von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. betrieben, wo Sie auch noch weitere Informationen zum Thema Herzsport finden.

Das richtige Maß finden

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Pulsfrequenzen für Sie noch gesund sind, ehe Sie allein ins Training starten. Meist wird hierzu eine Ergometrie-Messung vorgenommen, bei der die Maximalfrequenz ermittelt wird. Sie sollten Ihr Herz nicht überlasten, andererseits ist eine gewisse Anstrengung notwendig, wenn der Sport seine gesunde Wirkung entfalten soll. Ihr Arzt kann Ihnen außerdem sagen, auf welche Warnzeichen Sie achten sollen: Treten beispielsweise Atemnot, Schmerzen in der Brust, Herzrasen, Schwindel oder ähnliche Symptome auf, sollten Sie die Belastung sofort abbrechen.

Es gibt auch Menschen mit chronischen Herzerkrankungen, die generell auf Sport verzichten sollten. Daher ist es unbedingt notwendig, vorher mit dem behandelnden Arzt über Ihre Pläne zu sprechen.

Sport in Eigenregie

Sportvereine oder Fitnessstudios bieten reichlich Möglichkeiten, um Sport zu treiben. Am besten führen Sie das Training anfangs unter der Aufsicht von erfahrenem Personal durch, bis Sie die Intensitäten sicher einschätzen können. Empfehlenswert ist eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining. Dies spricht verschiedene Muskelgruppen an und stellt auch abwechslungsreiche Anforderungen an Ihren Kreislauf. Dabei dürfen Sie ruhig ins Schwitzen kommen: Mindestens dreimal pro Woche sollten Sie bei mittlerer bis stärkerer Anstrengung trainieren. Studien haben gezeigt, dass diese Intensität zu einer messbaren Verbesserung der Fitness von Herzpatienten führt. Wichtig ist natürlich, dass die Belastung angepasst an die vorliegende Schwere der Erkrankung geschieht. Und: Sie sollte langsam gesteigert werden! Zu Beginn trainieren Sie nur bis zu etwa 40 % der maximalen Herzfrequenz, mit zunehmender Fitness können Sie dies auf bis zu 70 % steigern.

Je nach Grunderkrankung kann ein Intervalltraining besser geeignet sein als reines Ausdauertraining. Bei dieser besonderen Art des Trainings wechseln sich Phasen mit geringerer Anstrengung mit solchen von hoher Intensität ab. Zum Beispiel Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz profitieren davon. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen deuten sogar an, dass Intervalltraining grundsätzlich größere Effekte erzielt.

Geeignete Sportarten für Menschen mit Herzerkrankungen

Walking

Eine für Menschen mit Herzerkrankungen gut geeignete Sportart ist z.B. Walking. Hierfür brauchen Sie wenig Ausrüstung und keine lange Übungsphase, bis Sie die Technik beherrschen. An vielen Orten gibt es Gruppen, die sich gemeinsam auf den Weg in die Natur machen. Sie können aber auch im Studio auf dem Laufband Kilometer machen. Suchen Sie sich ergänzend hierzu ein ausgleichendes leichtes Krafttraining, zum Beispiel an den entsprechenden Geräten. Alternativ kann es auch eine Gymnastikgruppe sein, die z.B. mit Hantelelementen arbeitet. Die Kraftbelastung darf aber nicht zu hoch sein – sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt darüber!

Fahrradfahren

Eine Sportart, bei der Sie gut Intervalltraining durchführen können, ist Fahrradfahren. Von gemächlichem Tempo können Sie zu zügigem Treten und wieder zurück zu ruhiger Fahrt wechseln. Auch beim Joggen, Schwimmen oder Skilanglauf können Sie die Trainingsintensität individuell anpassen. Schwimmen ist allerdings aufgrund der veränderten Druckverhältnisse im Wasser z.B. nicht für Menschen mit schwerer Herzinsuffizienz geeignet.

Ballsportarten

Weniger geeignet sind Ballsportarten wie Fußball oder Tennis. Hier erwacht zu oft der Ehrgeiz, den Ball doch noch zu erwischen, wodurch es dann zu einer Herzüberlastung kommen kann. Auch andere Sportarten mit sehr starken Belastungsspitzen wie Ski-Alpin oder Leichtathletik sind eher ungeeignet.

Tagtäglich Bewegung in den Tagesablauf integrieren

Am besten ist es, wenn Sie tagtäglich Bewegung in Ihren Tagesablauf integrieren: Nehmen Sie statt des Aufzugs die Treppe, oder steigen Sie zwei Stationen eher aus dem Bus und marschieren den Rest flott nach Hause. Wenn Sie beruflich viel sitzen müssen, nutzen Sie Gelegenheiten, sich zu bewegen (laufen Sie z.B. für jedes Dokument einzeln zum Drucker).

Wir wünschen Ihnen viel Freude und Erfolg beim Sport – Ihr Herz wird es Ihnen danken!

Autor: Bianca Hanke
Datum: November 2016

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen. Leitlinie körperliche Aktivität zur Sekundärprävention und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Clinical Research in Cardiology Suppl. 4: 1-44, 2009.

Karstoft K, Winding K, Knudsen SH et al. The effects of free-living interval-walking training on glycemic control, body composition, and physical fitness in type 2 diabetic patients: a randomized, controlled trial. Diabetes Care 2013; 36:228-236.

Meyer K, Bücking J. Wassertherapie bei Herzinsuffizienz. DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN, Jahrgang 56, Nr. 12 (2005), 403-409.

Perk J, De BackerG, Gohlke H et al. European Guidelines on cardiovascular disease prevention in clinical practice (version 2012). Eur Heart J33:1635-1701.

Umpierre D, Ribeiro PA, Kramer CK et al. Physical activity advice only or structured exercise training and association with HbA1c levels in type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis. JAMA 2011; 305:1790-1799.

www.dgpr.de
www.herzgruppenservice.de
www.sportkardiologie-koeln.de
www.dak.de/dak/download/KHK_-_Sport-1304686.pdf
www.kardiologie.org
letzter Abruf für alle: 11/2016