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Herzrhythmusstörungen bei Herzinsuffizienz

Viele Menschen mit Herzinsuffizienz entwickeln im Laufe ihrer Erkrankung Herzrhythmusstörungen. Wie sie entstehen, woran man sie erkennt und was man dagegen tun kann, erfahren Sie hier!

Wie entstehen Herzrhythmusstörungen?

Bei einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist das Herz mit der ihm zugedachten Aufgabe überfordert, zum Beispiel weil es durch Übergewicht oder einen zu hohen Blutdruck deutlich stärker pumpen muss, um genug sauerstoffreiches Blut in den Körper zu transportieren. Eine weitere Ursache kann auch eine sogenannte Mitralinsuffizienz sein: Dabei schließt eine Herzklappe nicht komplett – und bei jedem Herzschlag fließt etwas Blut rückwärts. Um dieselbe Menge Blut vorwärts zu befördern, muss das Herz also mehr arbeiten.

Anatomische Darstellung eines Herzens

Abb. 1: Anatomische Darstellung des Herzens

Dass Herzrhythmusstörungen häufig mit einer Herzinsuffizienz gemeinsam auftreten, ist der Anatomie des Herzens geschuldet (Abb. 1): Wenn die Ursache der Herzschwäche nicht behoben wird, weiten sich mit der Zeit die Herzkammern, um das gepumpte Blutvolumen zu vergrößern. Dies kann Folgen für den Herzrhythmus haben, da sich das Herz seinen Takt selbst vorgibt: Die notwendigen Nervenimpulse, die das Herz zur Kontraktion anregen, entstehen im Herzen selbst. Durch die Veränderungen im Zuge einer Herzinsuffizienz kann es zu einer Störung der Nervenleitfähigkeit kommen – das Herz gerät aus dem Takt. Dies bezeichnet man als Herzrhythmusstörung bzw. Arrhythmie.

Wie lassen sich Herzrhythmusstörungen feststellen?

Herzrhythmusstörungen lassen sich beispielsweise nach der Geschwindigkeit des Herzschlags unterscheiden: Schlägt das Herz zu schnell, bezeichnet man dies als Tachykardie („tachy“ ist das griechische Wort für „schnell“), schlägt es dagegen zu langsam, nennt der Arzt dies Bradykardie („brady“ bedeutet „langsam“). Bei einer sogenannten Tachyarrhythmie schlägt das Herz also zu schnell und unregelmäßig.

Viele Patienten nehmen diese Veränderungen des Herzschlags aber nicht direkt als ein Gefühl von Herzrasen wahr. Stattdessen kann es zu indirekten Symptomen wie Leistungsminderung, Schwindel oder Benommenheit kommen. Wer aber bereits unter einer Herzinsuffizienz leidet, wird eine zunehmenden Leistungseinschränkungen vielleicht eher als ein Symptom der Herzschwäche deuten.

Auch eine Pulsmessung bringt nicht immer Licht ins Dunkel. Das Herz transportiert nämlich bei dieser Art von Erkrankung häufig zu wenig Blut, als dass sich jede Kontraktion des Herzmuskels in einem Pulsschlag niederschlüge. Die sicherste Möglichkeit, Herzrhythmusstörungen zu erkennen, ist das Abhören mit einem Stethoskop in Kombination mit einem EKG beim Arzt. Dadurch können sie von anderen Krankheitsbildern abgegrenzt und adäquat behandelt werden.

Wie lassen sich Herzrhythmusstörungen behandeln?

Beta-Blocker und Herzglykoside, die Sie aus der Behandlung der Herzinsuffizienz kennen, wirken auch gegen eine zu hohe Herzfrequenz. Wenn aber bereits eine Dauerbehandlung aufgrund einer Herzschwäche erfolgt, sind andere Methoden notwendig.

Sitzt die Ursache für die Rhythmusstörung im Vorhof (sog. Vorhofflimmern oder Vorhofflattern), ist dies erst einmal kein akut lebensbedrohlicher Zustand, denn die Herzkammern können trotzdem weiter ihre Aufgabe erfüllen. Allerdings ist das Schlagvolumen verringert, so dass bei Herzinsuffizienz-Patienten die Einschränkung der Pumpleistung stärker ins Gewicht fällt als bei Herzgesunden. Außerdem erhöhen solche Herzrhythmusstörungen das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln. Diese Blutgerinnsel können sich lösen und wichtige Gefäße verschließen (Embolie), so dass es beispielsweise zu einem Schlaganfall kommen kann.

Eine mögliche Therapie für Herzrhythmusstörungen im Vorhof ist die sogenannte Kardioversion. Dabei wird mittels Medikamenten oder eines elektrischen Impulses der normale Herzrhythmus (Sinusrhythmus) wiederhergestellt. Der Vorteil der medikamentösen Form ist, dass Patienten die Arzneimittel bei sich tragen und im Ernstfall selbst anwenden können. Hierzu bedarf es vorher aber einer genauen Dosiseinstellung durch den Kardiologen.  Die Behandlung einer Tachyarrhythmie im Vorhof des Herzens hat nicht selten auch die Verbesserung einer begleitenden Mitralinsuffizienz zur Folge.

Liegt der Ursprung der Herzrhythmusstörung hingegen im Bereich der Herzkammer, ist dies meist gefährlicher als Arrhythmien im Vorhof, denn der Kreislauf kann dann vollständig zum Erliegen kommen. Um solch einem Fall vorzubeugen, kann der Arzt eine spezielle Form von Herzschrittmacher einsetzen. Dieses „implantierbarer Kardioverter-Defibrillator“ genannte Gerät (engl. „implantable cardioverter-defibrillator“, abgekürzt ICD) überwacht kontinuierlich die Herztätigkeit und erkennt automatisch, wenn Herzrhythmusstörungen auftreten. Das Gerät kann diese durch Stromstöße unterbrechen, so dass sich die Aktivität des Herzmuskels wieder normalisiert.

Schlagen beide Herzhälfen nicht im selben Takt, kann der Einsatz eines anderen speziellen Herzschrittmachers, CRT-D genannt, notwendig sein: Dieser synchronisiert die Schlagfrequenz beiden Herzhälften wieder und stabilisiert so die Herzfunktion. Gleichzeitig reagiert der eingebaute Defibrillator, sollten gefährliche Rhythmusstörungen auftreten. Die Bezeichnung CRT-D kommt daher, dass diese Art von Schrittmacher eine Kombination aus einem Gerät zur kardialen Resynchronisationstherapie (engl. „cardiac resynchronization therapy“, abgekürzt CRT) und Defibrillator ist.

Mitral-Clip – eine weitere Behandlungsmöglichkeit

Das sogenannte „Clipping“ wird erfolgreich zur Behandlung der Mitralinsuffizienz angewandt. Dabei wird die nicht mehr korrekt schließende Mitralklappe mithilfe eines Kunststoffclips zusammengehalten. Dadurch wird der Rückfluss des Blutes verringert und die Pumpleistung des Herzen steigt wieder an.

Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass der Mitral-Clip bei Herzrhythmusstörungen, die auf einer Mitralinsuffizienz beruhen, ebenfalls zu einer Verbesserung führen kann. Dies könnte unter anderem daran liegen, dass die Herzmuskelzellen weniger stark belastet werden und sich etwaige Leitungsstörungen der Nerven vermindern. Ob dies auch für Vorhof-Rhythmusstörungen gilt, ist bisher noch nicht ausreichend untersucht.

Individuelle Behandlungsoption wählen

Da Herzrhythmusstörungen häufig bei Herzinsuffizienz-Betroffenen auftreten können, ist eine regelmäßige Kontrolle beim Kardiologen unbedingt angeraten. Er kann Sie über die verschiedenen Therapie-Möglichkeiten aufklären und die für Sie beste auswählen.

Autor: Bianca Hanke
Datum: Oktober 2016
Quellen:
Gertz ZM, Raina A, Saghy L et al. Evidence of atrial functional mitral regurgitation due to atrial fibrillation: reversal with arrhythmia control. J Am Coll Cardiol. 2011; 58(14):1474-1481.
Theis C, Konrad T, Mollnau H et al. Percutaneous Mitral Valve Repair (MitraClip®) Results in Significant Reduction of Ventricular Arrhythmias. Clin Res Cardiol 104, Suppl 1, April 2015 (81. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, V1201)
www.kardionet.de (Abruf 10/2016)
www.medioconsult.de -> Facharzt Wissen (Abruf 10/2016)