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Herzinsuffizienz – auch eine psychische Herausforderung

Bisher stand bei der Behandlung der Herzinsuffizienz die Verbesserung körperlicher Beschwerden im Fokus – und das, obwohl diese Erkrankung auch die Psyche stark belastet. Lesen Sie hier, welche Neuerungen und Unterstützungsmöglichkeiten es auf diesem Gebiet gibt..

Herzinsuffizienz - auch eine psychische Herausforderung

Bei einer Herzinsuffizienz , die viele Menschen auch als Herzschwäche bezeichnen, verliert das Herz nach und nach an Pumpleistung. Symptome wie Kurzatmigkeit und Wassereinlagerungen in Beinen oder der Lunge stellen sich ein. Aus letzterer resultiert auch der sogenannte Herzhusten. Um eine Herzinsuffizienz zu behandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten , beispielsweise Medikamente wie ACE-Hemmer , Beta-Blocker oder Herzglykoside . Je nach Auslöser kann aber auch eine Operation oder ein perkutaner Eingriff in Frage kommen.

Psychische Beeinträchtigung bei Herzinsuffizienz

Eine Herzinsuffizienz bedeutet aber nicht nur körperliche Einschränkungen, sondern kann auch die Psyche stark beeinträchtigen: Nicht selten leiden die Betroffenen an belastenden Depressionen und Angstzuständen. Auch die Gedächtnisleistung kann zurückgehen. In Kombination mit der wahrgenommenen Einschränkung der eigenen Leistungsfähigkeit führt dies insgesamt zu einer schlechteren Lebensqualität. Deswegen ist es empfehlenswert, die psychische Situation von Menschen mit Herzinsuffizienz im Auge zu behalten und bei auftretenden Depressionen oder starken Angstreaktionen auf jeden Fall den behandelnden Arzt darauf anzusprechen.

Mehr Lebensqualität durch Mitral-Clip

Forscher fanden außerdem heraus, dass eine Behandlung auf körperlicher Ebene ebenfalls Auswirkungen auf die Psyche haben kann. So steigerte sich beispielsweise die Lebensqualität viele Betroffener nach dem Einsatz eines Mitral-Clips deutlich. Es traten zudem weniger Depressionen und Angstsymptome auf, und auch das Langzeitgedächtnis und die Planungsfähigkeit verbesserten sich wieder.

Neben der Besserung der körperlichen Befindlichkeit können also auch psychische Symptome durch diese Behandlung gemildert werden. Dies ist auch deshalb wichtig, weil psychische Erkrankungen den Verlauf der Herzinsuffizienz verschlimmern können. Eine stabile psychische Verfassung hingegen kann den Heilungsprozess unterstützen und dazu beitragen, dass die Erkrankung langsamer voranschreitet.

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Der Mitral-Clip Eingriff bei Menschen mit Herzinsuffizienz

Menschen, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit befinden, können oftmals nicht mehr operiert werden, weil das Risiko einer Narkose zu hoch wäre. Sie werden vorrangig mit Medikamenten behandelt, um die Symptome zu lindern. Geht die Herzinsuffizienz mit einer nicht mehr vollständig schließenden Mitralklappe einher (Mitralinsuffizienz), gibt es außerdem die Möglichkeit, einen sogenannten Mitral-Clip einzusetzen: Um den Rückfluss von Blut durch die Undichtigkeit in der Klappe zu reduzieren, kann sie an der entsprechenden Stelle mit einem Clip zusammengehalten werden. Dadurch bleibt immer noch genügend Raum, damit das Blut in der richtigen Richtung durch die Klappe fließen kann, aber der ungewollte Rückfluss wird vermindert. Der Vorteil: Der Arzt führt den Mitral-Clip über einen Katheter in der Leistengegend zum Herzen. Es ist deshalb keine Narkose notwendig.

Hilfe zur Selbsthilfe

Neben der regelmäßigen Betreuung durch einen Kardiologen und einer direkten Behandlung der Herzinsuffizienz mit Medikamenten oder Operation können Sie auch selbst einiges tun, um die Folgen Ihrer Erkrankung zu verringern: Wichtig sind eine gesunde Ernährung und eine auf die eigene Leistungsfähigkeit abgestimmte sportliche Betätigung. Kontakte zu Herzsportgruppen, die medizinisch betreut sind, finden sich auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft zur Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.

Vielfach hilft auch der Austausch mit anderen betroffenen Menschen. Die Erfahrungen anderer und deren Umgang mit der Krankheit können eigene Ängste nehmen und neue Impulse geben. Auf der Internetseite der Deutschen Herzstiftung gibt es hierzu eine Sammlung von Selbsthilfegruppen. Über die Eingabe der eigenen Postleitzahl werden Sie direkt zu einer Gruppe in Ihrer Nähre weitergeleitet. Neben Ihrem betreuenden Arzt ist die Herzstiftung auch generell ein guter Ansprechpartner, wenn Sie Fragen zum Thema Herzinsuffizienz haben.

Außerdem hat das Universitätsklinikum Würzburg eine informative Seite zum Krankheitsbild der Herzinsuffizienz erstellt: das Kompetenznetzwerk Herzinsuffizienz. Dort können Sie außerdem einen umfangreichen Ratgeber zum Thema Herzinsuffizienz herunterladen.

 

Autor: Bianca Hanke
Datum: September 2016

Quellen:
Bennett SJ, Sauvé MJ. Cognitive deficits in patients with heart failure: a review of the literature. J Cardiovasc Nurs. 2003; 18(3):219-242

Bunz, M., Kindermann, I., Karbach, J. et al. Psychokardiologie: Wie Herz und Psyche zusammenhängen. Dtsch. med. Wochenschrift 2015; 140(02): 117-124

Nikendei C, Schäfer H, Weisbrod M et al. The Effects of Mitral Valve Repair on Memory Performance, Executive Function, and Psychological Measures in Patients With Heart Failure. Psychosom Med. 2015 Dec 22. [Epub ahead of print]

Pressler SJ, Subramanian U, Kareken D et al. Cognitive deficits in chronic heart failure. Nurs Res. 2010; 59(2):127-139

Schönes, P., Horstkotte, D., Piper, C. Können psychische Symptome bei stationären Patienten
mit symptomatischer Herzinsuffizienz durch eine Optimierung der kardiologischen Therapie beeinflusst werden? Psychother Psych Med 2013; 63 (07): 257-263

www.dgpr.de (Abruf: Sept. 2016)
www.herzstiftung.de (Abruf: Sept. 2016)
www.knhi.de (Abruf: Sept. 2016)