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Gesundes Essen – gesundes Herz?

Über die richtige Ernährung für Herzpatienten wird viel geschrieben, manches hat sich als Mythos herausgestellt. Lesen Sie  hier, warum diese 3 Ernährungs-Mythen ins Reich der Märchen gehören.

Mythos 1:

Ernährung bei Herzkrankheit

„Gerade von chronischen Herzerkrankungen betroffene Menschen sollten oft Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren zu sich nehmen. Diese wirken schützend auf die Blutgefäße.“

Das stimmt nur bedingt. Grundsätzlich sind die mehrfach ungesättigten Omega-Fettsäuren ziemlich gesund. Allerdings unterscheiden sie sich in ihrer Wirkung auf den Organismus: Omega-3-Fettsäuren wirken gegen Entzündungen, Blutgerinnsel und Herzrhythmusstörungen, außerdem senken sie den Blutdruck. Auch die Zusammensetzung der Fette im Blut und die Gesundheit der Gefäßwände lässt sich durch eine Omega-3-reiche Ernährung verbessern.

Omega-6-Fettsäuren hingegen können sowohl gegen Entzündungen helfen als diese auch befördern. Das liegt daran, dass der Körper aus dieser Fettsäure entzündungsfördernde Moleküle produzieren kann. Daher sollte der Anteil der Omega-6-Fettsäuren gegenüber den Omega-3-Fettsäuren in der Nahrung das Verhältnis 5:1 nicht überschreiten. In fettem Seefisch wie Makrele, Lachs oder Hering sind die Fettsäuren im richtigen Verhältnis zueinander enthalten. Er gehört also für Menschen mit chronischen Herzerkrankungen regelmäßig auf den Teller!  Der Fleischkonsum hingegen sollte reduziert werden, denn darin sind hauptsächlich Omega-6-Fettsäuren enthalten.




Mythos 2:

„Bei Übergewicht und Fettleibigkeit tritt häufig eine Herzschwäche auf. Sind Menschen bereits von einer Herzschwäche betroffen, dann ist Übergewicht stets ungünstig für die weitere Entwicklung der Krankheit.“

Auch das stimmt nur bedingt. Grundsätzlich ist es richtig, dass Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) mit einer Vielzahl von Erkrankungen assoziiert sind, sie treten also bei diesen Menschen deutlich häufiger auf. Dazu zählen neben einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) auch Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Bluthochdruck (Hypertonie) oder die koronare Herzkrankheit. Bei den meisten dieser Erkrankungen stellt sich außerdem eine Besserung ein, wenn die Betroffenen Gewicht verlieren und regelmäßig Sport treiben. Erstaunlicherweise aber haben Menschen, die bereits erkrankt sind, eine höhere Überlebenschance, wenn sie einen Body-Mass-Index (BMI) von 25-35 haben.

Der Body-Mass-Index (BMI)

Der BMI ist ein Maß, das das Körpergewicht in Bezug zur Körpergröße angibt. Sie können Ihren BMI hier selbst berechnen. Zwischen einem BMI von 19 und 25 spricht man von Normalgewicht, darüber beginnt das Übergewicht, bei einem BMI ab 30 spricht man von einer Adipositas.

Dieses sogenannte „Adipositas-Paradoxon“ wurde in mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen belegt. Vermutlich gibt es für diesen Effekt vielfältige Ursachen. Zum einen ist Fettgewebe erstaunlich aktiv: So produziert es verschiedene Botenstoffe, darunter ein Hormon, welches das Sättigungsgefühl steigert,  und auch einen entzündungshemmenden Stoff, der vor weiteren Gefäßerkrankungen schützen kann. Außerdem sind durch einen erhöhten Cholesterinwert bei übergewichtigen Menschen auch mehr Proteine im Blut, die an Fett gebunden sind und die andere schädliche Stoffe neutralisieren können. Menschen mit höherem Körpergewicht sind zudem wahrscheinlich weniger von dem Gewichtsverlust bedroht, der bei vielen schweren chronischen Krankheiten auftritt.

Vollends geklärt sind die Ursachen für den Vorteil des höheren Gewichts aber noch nicht.
Das Adipositas-Paradoxon sollte jedoch nicht missverstanden werden: Zwar verbessern bereits erkrankte Übergewichtige ihre Prognose geringfügig, dem gegenüber steht jedoch die Tatsache, dass Normalgewichtige ein vergleichsweise geringeres Risiko haben überhaupt bestimmte Krankheiten wie Diabetes mellitus oder Bluthochdruck zu entwickeln. 

Mythos 3:

„Da Menschen mit chronischen Herzerkrankungen tierische Fette meiden sollen, ist für sie Margarine gesünder als Butter.“

Margarine wird oft als gesünder beworben, weil sie „rein pflanzlich“ sei oder sogar aktiv den Cholesterinspiegel senken könne. Gerade letzteres ist für manche Produkte zutreffend. Sie enthalten sogenannte Phytosterine; diese Pflanzenstoffe vermindern im Darm die Aufnahme von Cholesterin und können so nachweislich den Cholesterinspiegel senken, insbesondere das LDL-Cholesterin. Der Cholesterinspiegel im Blut setzt sich aus LDL (engl. Low Density Lipoprotein, Lipoprotein mit geringer Dichte) und HDL (engl. High Density Lipoprotein, Lipoprotein mit hoher Dichte) zusammen. Viele Studien deuten darauf hin, dass ein niedriger LDL-Cholesterinspiegel gut sein könnte, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Dass Produkte mit Phytosterinen das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen senken, ist hingegen nicht bewiesen. Der menschliche Körper produziert etwa 90% des Cholesterins, das man im Blut messen kann, selbst – die Aufnahme aus der Nahrung ist also bei weitem nicht die einzige Cholesterinquelle. Außerdem ist ein Zuviel an Phytosterinen schädlich: Sie können bei einer Überdosis ebenfalls die Gefäßwände schädigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sogar noch steigern. Sie vermindern zudem nicht nur die Cholesterinaufnahme, sondern können auch zu einer Unterversorgung mit β-Karotin sorgen, das ebenfalls fettlöslich ist. Zwar müssten Sie ziemlich viel Margarine essen, um diese schädlichen Mengen zu erreichen, wenn Sie allerdings zusätzlich cholesterinsenkende Milchprodukte, Wurst und Brot verzehren, können schnell große Mengen an Phytosterinen zusammenkommen.

Weiterhin ist zwar auch richtig, dass pflanzliche Fette den tierischen vorzuziehen seien. Dies bezieht sich aber besonders auf natürliche, ungehärtete Öle. Als Faustregel lässt sich also sagen: Lieber nur wenig Butter auf’s Brot als viel Margarine. Greifen Sie bei Fetten möglichst auf native, kaltgepresste Öle zurück.

Praxis-Tipp: Frieren Sie eine dünne Schicht Olivenöl ein und nutzen Sie dies als Brotaufstrich! Es ist rein pflanzlich und enthält viele gesunde Antioxidantien

 

Autor: Bianca Hanke
Datum: Dezember 2016
Bildquelle: iStock, Stock-Fotografie-ID: 511848487
Quellen:
Curtis JP et al. (2005) The obesity paradox: body mass index and outcomes in patients with heart failure. Arch Intern Med 165:55–61.

Kenchiah S et al. (2007) Baody mass index and prognosis in patients with chronic heart failure: insights form the Candesartan in Heart failure: Assessment of Reduction in Mortality and morbidity (CHARM) program. Circulation 116 (6): 627–636.

I. Kiefer, Ch. Haberzettl, Ch. Panuschka, A. Rieder. Phytosterine und ihre Bedeutung in der Prävention. Journal für Kardiologie 2002; 9(3): 96-101

Koch S. Omega-3-Fettsäuren aktuell. Konsequenzen und Perspektiven für die Ernährungsberatung. Verband der Diätassistenten. Ernährungs Umschau 2007; 8: 482–485.

Schauder P, Ollenschläger G. Ernährungsmedizin. Urban und Fischer München 2006: 968–985.

O. Weingärtner, M. Böhm, U. Laufs. Controversial role of plant sterol esters in the management of hypercholesterolaemia. European Heart Journal 2009; 30: 404-409

 

 

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